Olaf Deininger zum Klimawandel

Wer vertritt eigentlich Ihre Interessen?

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Der Klimawandel ist eines der größten unternehmerischen Risiken für Landwirte. Kaum eine Branche leidet so sehr unter ihm wie die Landwirtschaft.

Hitze, Trockenheit und Dürre erleben wir gerade im Augenblick – und haben sie die letzten Jahre erlebt. Extremwetterereignisse, Starkregen, Hagel und Überschwemmungen haben wir in diesem Jahr ebenfalls gesehen. Auch in den Jahren davor. Dass ein ausgetrockneter Boden nur ganz langsam Wasser aufnehmen kann, lernt die deutsche Bevölkerung gerade.

Hinzu kommen neue Schädlinge, die sich durch den Klimawandel hier auf einmal ganz heimisch fühlen. Niedrigwasser in der Binnenschifffahrt sorgt für Logistikprobleme und treibt die Betriebsmittel- und Energiekosten. Und das ist erst der Anfang. Das sagt uns die Mehrheit der Wissenschaftler. Und zwar genau die Mehrheit der Wissenschaftler, die bereits vor 10 oder 15 Jahren die heutige Situation ziemlich präzise vorhergesagt hat.

Wir werden uns also daran gewöhnen müssen, dass die Ernten wieder unsicher sind – und es davon immer mehr geben wird. Anders formuliert bedeutet das: Der Klimawandel ist das größte unternehmerische und das größte finanzielle Risiko landwirtschaftlicher Betriebe.

Deshalb müssten die Landwirte doch eigentlich auch auf die Straße gehen, sich zu Mahnwachen und Trecker-Konvois zusammenschließen, um für mehr wirksame Maßnahmen gegen den Klimawandel zu demonstrieren. Und nicht nur das: Sie müssten es mit Nachdruck fordern. Genauso vehement, wie sie für ihre anderen Ziele kämpfen. Denn sie und die Existenz ihrer Höfe sind direkt davon betroffen.

Und umso mehr wundert es mich, dass dies nur zögerlich, in Teilbereichen und nur in bestimmten Gruppen der Landwirte stattfindet. Doch eigentlich sind alle Betriebe gleich betroffen, unabhängig davon, ob sie konventionell oder ökologisch wirtschaften, ob sie Ackerbau oder Tierhaltung betreiben, ob sie Winzer, Gärtner oder Obstbauern sind. Beim Klimawandel haben alle die gleichen Interessen. Und die Landwirte sollten sich umschauen, wer ihre Interessen wirklich vertritt.
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