Olaf Deininger zum Ukraine-Krieg

Der erste globale Terrorist?

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Der russische Präsident provoziert Hunger und neue Flüchtlingsströme – und erpresst damit die Welt.

Erinnern wir uns: Einige Monate vor Beginn des russischen Überfalls auf die Ukraine, im November letzten Jahres, ließ der weißrussische Diktator Alexander Lukaschenko geflüchtete Menschen an die Grenze zur EU bringen. Als Reaktion darauf ließ Polen rund 10000 Soldaten aufmarschieren. Sie sollten die Menschen am Grenzübergang hindern, die dann wochenlang bei Minusgraden im Niemandsland ausharren mussten. Das Timing war kein Zufall: Aus heutiger Sicht schien es der Auftakt zum Krieg gegen die Ukraine und Putins erstes Manöver.

Denn was der Putin-Freund in Minsk damit beabsichtigte, war eine Destabilisierung der EU. Es sollte Streit zwischen den EU-Staaten provoziert werden, der nach dem Überfall auf die Ukraine ein gemeinsames europäisches Handeln unmöglich oder zumindest schwieriger machen sollte. Geflüchtete als Waffe.

Ähnlich mutet es an, wenn Russland heute indirekt durchblicken lässt, dass es am Abwenden einer weltweiten Hungerkrise gar kein wirkliches Interesse hat. Im Gegenteil: Beschuss auf Bahnlinien, Zerstörung von Bauernhöfen und Getreidelägern, Diebstahl von Weizen, geschlossene Häfen und verminte Seewege. Das russische Militär versucht, systematisch die Kornkammer der Welt zu zerstören. Dass Länder wie Indien in dieser Situation beginnen, primär an ihre Selbstversorgung zu denken, kann man ihnen nicht wirklich verdenken. Doch damit wird die Situation der Staaten, die von ukrainischem Weizen abhängig sind, noch prekärer.

Krieg mit Hunger. Und so steht im Raum, dass neue und größere Hungersnöte neue und größere Flüchtlingsströme auslösen. Von Afrika in Richtung Europa und von Süd- und Mittelamerika in Richtung USA. Sollte Russland militärisch weiter verhindern, dass die Ukraine ihre Weizenproduktion und Weizenexporte wieder aufnehmen kann, erzeugt Putin nicht nur eine Hungerkrise, sondern erpresst damit die gesamte Welt und die demokratischen Regierungen. Kaum auszumalen, wie etwa Wahlen in den USA oder in Frankreich ausgehen werden, wenn neue Flüchtlingswellen an den Grenzen ankommen.
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