Olaf Deininger zur AgriFood-Branche

Kollektiver Aufbruch

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Die Branche macht beim Zukunftsdialog Agrar & Ernährung deutlich, noch stärker Teil der Lösung sein zu wollen.

Mehr Konsens war selten. Und zwar darüber, dass man gegen den Klimawandel, gegen das Artensterben, gegen zu hohen Ressourcenverbrauch, gegen externalisierte Kosten aktiv werden müsse. Und zwar schnellstens. Einig waren sich die Teilnehmer aber auch, dass rasch Lösungen gefunden werden müssen, damit Lebensmittel auf der ganzen Welt bezahlbar bleiben – und dort bezahlbar werden, wo sie es noch nie wirklich waren.

Vorbei sind die Zeiten, in denen man diskutierte, dass andere Branchen besser vorgehen sollten, oder gar behauptete, die AgriFood-Branche habe keinen Anteil am Klimawandel, an ökologischen und sozialen Problemen. Diese Ewiggestrigen sind von der Bildfläche verschwunden.


Nein, beim Zukunftsdialog Agrar & Ernährung, zu dem wir in dieser Woche zum neunten Mal luden, zeigte sich nicht nur große Übereinstimmung bei den Referenten, Experten und Teilnehmern über die aktuelle kritische Situation. Es zeigten sich auch drei weitere wichtige Aspekte.

Erstens: Der konstruktive Ton und der offene Umgang, den die Zukunftskommission vor zwei Jahren gesetzt hatte, ist geblieben. Vertreter von NGOs und Industrie, von Wissenschaft und Handel hörten einander zu, wogen Ideen und Argumente ab, manchmal ergänzten sie einander sogar.

Zweitens: Anstatt über den Befund zu diskutieren – etwa, wie groß oder klein der Anteil der Landwirtschaft an aktuellen ökologischen Problemen ist – entwickelten sich auf praktisch allen Panels und in sämtlichen Interviews des Zukunftsdialogs Agrar & Ernährung Gespräche über mögliche Lösungsansätze. Schnell wurde klar: Es wird um die besten Lösungsansätze gerungen.

Und drittens: Die Branche verfügt über Lösungen. Sogar über eine ganze Menge in praktisch sämtlichen Bereichen oder Stationen der Lebensmittellieferkette. Sei es Landtechnik für teilflächenspezifische Bearbeitung oder pflanzenindividuelle Behandlung, die rund 60 bis 80 Prozent weniger Pflanzenschutzmittel braucht und damit Ressourcen spart. Seien es intelligente Plattformlösungen für Landwirte, die eine bessere Planung und damit bessere Ergebnisse erlauben. Seien es Pilotprojekte zu Carbon Farming und zur Erhöhung des Humus-Anteils im Boden. Oder seien es Ansätze für transparentere und lokale Lieferketten, die nicht nur den CO₂-Fußabdruck von Lebensmitteln reduzieren, sondern auch bessere und auskömmlichere Erzeugerpreise für die landwirtschaftlichen Betriebe sicherstellen.

Eine so große Menge Zukunft war bislang selten in unserem Zukunftsdialog – und auch ein großes Maß an Aufbruchstimmung. So setzt die AgriFood-Branche in der Alten Münze in Berlin beim Zukunftsdialog ein neues Zeichen: Wir gehen schon mal vor!

Nur die Politik hatte sich in den Wochen vor unserer Veranstaltung bezüglich einer Teilnahme immer wieder entschuldigen lassen: andere Termine, keine Zeit, anderweitige Verpflichtungen. Doch damit wurde den rund 270 Teilnehmern und den zwei Dutzend Referenten nur bestätigt, was ohnehin bereits seit Wochen im Raum steht: dass bei Landwirtschaft und Lebensmitteln der Gestaltungswille der Bundesregierung nicht gerade hoch ausgeprägt ist. Doch denken wir positiv. Das kann sich ändern.

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