Olaf Deininger zur Digitalisierung

Digital der Bürokratie eins auswischen

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Warum die zweite Digitalisierungswelle zum Mittel für Bürokratieabbau werden kann.

Heute schon über die Bürokratie geschimpft? Sicher. Und das zu Recht. Denn nicht erst seit gestern leiden die Betriebe an immer mehr Verordnungen und Dokumentationspflichten, Verwendungsnachweisen, Beleg- und Antragswesen. Der Grund für diese überbordende Bürokratie: Auf jedes Problem, das mehr als einmal auftritt, reagieren Gesetzgeber oder Behörden reflexartig mit Vorschriften, Auflagen und Nachweisen. Häufig sind es nicht nur Interessengruppen, die für mehr Bürokratie sorgen, sondern auch schwarze Schafe in den eigenen Reihen. Und deshalb muss man leider feststellen, dass es kaum Aussichten auf Erfolg haben dürfte, sich irgendwann dieser Bürokratie entledigen zu können.

Doch Moment! Diese Woche zeigte die „Digital Farming Conference 2022“ der Bitkom, dass die digitale Integration in der Landwirtschaft nicht nur eines der besten Mittel für weniger Ressourcenverbrauch und mehr Klima- und Naturschutz sein kann. Die Veranstaltung machte auch deutlich, dass die zweite Digitalisierungswelle auch ein Mittel gegen Bürokratie sein kann. Ein Beispiel: Mit digitalen Sensoren und mit Geolokalisierung ausgestattete Maschinen schreiben etwa den Mitteleinsatz automatisch mit. Die Geräte wissen natürlich, was sie gerade verarbeiten oder wo und in welcher Menge ausbringen – und übermitteln diese Daten an das digitale Management-System des Betriebs. Dort werden sie automatisch gesichert und dokumentiert, aufbereitet und für Menschen (oder Behörden) lesbar gemacht. Künftig auch gleich weitergeschickt. Das erspart Zettelwirtschaft, lästiges Führen von Listen, Probleme mangelnder Lesbarkeit von Handschriften.

Meine Prognose: Lebensmittel-Zertifikate, Anforderungen an Lieferketten-Transparenz oder Verbandsstandards werden künftig nach diesem Muster digital organisiert werden. Anders kann man das nicht mehr darstellen. So wird die Digitalisierung – vorausgesetzt, wir machen sie richtig – zum Mittel für Bürokratieabbau.
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