Olaf Deininger zur Geopolitik

Wettbewerb um den globalen Süden

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Warum wir beim Mercosur-Abkommen nicht alte Fehler wiederholen sollten.

 Man muss sich das vor Augen halten: Es gibt im Augenblick kein afrikanisches Land, das die westlichen Sanktionen gegen Russland in irgendeiner Weise unterstützen würde. Sogar das „westlichste“ aller afrikanischen Länder, das Land Südafrika, unterstützt die Sanktionen nicht. Es kann sich sogar kaum zu einer Verurteilung des russischen Überfalls auf die Ukraine überwinden.

Der russisch-ukrainische Krieg hat dem Westen deutlich gemacht, dass die Zahl seiner Unterstützer durchaus überschaubar ist. Und zwar nicht nur politisch, sondern auch wirtschaftlich. Sogar der NATO-Verbündete Türkei hat durch sein Verhalten in letzter Zeit Zweifel an seiner Loyalität zum Westen aufkommen lassen. Indien verfolgt seine ganz eigene, ausschließlich an den nationalen Interessen ausgerichtete Politik. An ökologischer und sozialer Nachhaltigkeit, an Menschenrechten, der Unterstützung von Demokratien und der Ächtung von Diktaturen ist es kaum interessiert. An einem Anschluss an die demokratischen und pluralistischen Ideen des Westens hat Indien wenig Interesse. Nun erfahren wir, dass das Mercosur-Land Uruguay ein Handelsabkommen mit China anstrebt. Argentinien soll folgen. Das ist zwar deren gutes Recht, könnte jedoch dazu führen, dass der Westen bestehend aus Nordamerika und der EU in der neuen Welt der politisch-wirtschaftlichen Blöcke am Ende sehr isoliert dasteht.


Und so schwärmen westliche Politiker nun auf die Kontinente des globalen Südens auf der Suche nach Verbündeten – ganz genau so, wie es russische und chinesische Politiker ebenfalls tun. Im Fall von Afrika kann man sich fragen, was Jahrzehnte von Entwicklungshilfe gebracht haben, wie sinnvoll diese Gelder eingesetzt wurden, oder ob es am Ende doch nur eine Art sanfter Kolonialismus mit freundlichem Gesicht war, wenn wir dort unseren Müll entsorgten und Kinder für uns arbeiten ließen.

Nun soll das Mercosur-Abkommen abgeschlossen werden. Das ist gut. Doch man kann nur hoffen, dass nicht die gleichen Fehler gemacht werden wie in der Afrika-Politik – und dieses Mal faire und nachhaltige Bedingungen durchgesetzt werden.

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