Olaf Deininger zu BMEL und Landwirtschaft 4.0

Kein Anschluss unter dieser Nummer

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Olaf Scholz ist da. Robert Habeck ist da. Der kleine Agrar-Roboter „Phoenix“ ist ebenfalls da. Nur einer fehlt beim Digital-Gipfel vergangene Woche in Berlin: der Bundesagrarminister Cem Özdemir.

Das wäre eigentlich kaum einer Erwähnung wert – er könnte etwa wichtigen Besuch haben, einfach mal einen ruhigen Nachmittag daheim brauchen, erschöpft oder krank sein – wäre es nicht so typisch für die Amtsführung von Özdemir, praktisch beinahe schon symbolhaft. Damit meine ich nicht etwa das Schwänzen von wichtigen Terminen. Das tut er nicht. Ich meine das Thema Landwirtschaft 4.0.

Ich hatte früher schon angemerkt, dass 30 Prozent Bio-Anteil an der Lebensmittelerzeugung nicht die Lösung sind. Stattdessen geht es doch darum, was aus den verbleibenden 70 Prozent wird. Dieser Anteil muss nachhaltiger und ökologischer werden. Und dazu stehen uns mittlerweile eine Reihe von neuen, meist digital gesteuerten, intelligenten und wesentlich ressourcenschonenderen Lösungen und technologischen Verfahren zur Verfügung. Und weitere sind in Vorbereitung. Autonome Technik hilft etwa, den Fachkräftemangel erträglicher zu machen und Arbeiten präziser. „Sehende“ Feldspritzen sprühen nur dort, wo Unkraut aufläuft. Roboter machen alte mechanische Verfahren zur Schädlingsbekämpfung kaufmännisch wieder attraktiv und nachhaltiger. Sensoren wissen, wo der Acker mehr Dünger braucht und wo weniger. Satellitengestützte Systeme schaffen neue Wissensbestände. Doch all diese Themen treten seit zwölf Monaten auf der Stelle: keine Förderung, keine Unterstützungsprogramme, keine Themensetzungen. Und es ist leider auch kein Plan zu erkennen, der das ändern könnte.

Ich bin wirklich kein Technik-Optimist, der meint, KI und Digitalisierung seien eine Art Zauberpulver, das man nur über alle Probleme streuen muss, damit sie verschwinden. Doch im Moment sind wir weit davon entfernt, die Chancen der neuen Technologien zu nutzen. So prägen alte Denkmuster unsere heutige Agrarpolitik: das überkommene Zwei-Welten-System aus Konventionell und Bio. Dabei sind wir doch längst weiter. Oder könnten es sein. Allerdings nicht mit dem alten Mindset. Und darum fällt es eben auf, wenn Bundeskanzler Scholz sich von einem Agrar-Roboter äußerst begeistert zeigt – und der Landwirtschaftsminister nicht da ist.

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