Olaf Schultz über den deutschen Brückenbauer

Gratulation, Herr Dürr

2019 scheint das Jahr des umtriebigen deutschen Unternehmers zu sein. Dem Vorstandsvorsitzenden der Ekosem-Agrar AG ist vor Kurzem der Dr. Friedrich Joseph Haass-Preis des Deutsch-Russischen Forums verliehen worden.

 Wenige Wochen zuvor gab es für Stefan Dürr bereits ein weiteres „Highlight“: Die Mitglieder des russischen Verbands der Milchproduzenten wählten den gebürtigen Odenwälder, der eines der größten russischen Unternehmen leitet, in Moskau zum neuen Vorsitzenden.

Mit dem jüngsten Haass-Preis wurde Dürr für sein Engagement in der deutsch-russischen Zusammenarbeit im Agrarsektor geehrt. Er ist benannt nach dem deutsch-russischen Mediziner aus Bad Münstereifel, der sich im 19. Jahrhundert für Gefangene und Obdachlose in Russland einsetzte und als „Heiliger Doktor von Moskau“ bekannt wurde. Mit ihm zeichnet das Deutsch-Russische Forum seit 1994 jährlich Persönlichkeiten aus, die sich in besonderer Weise um den Brückenbau zwischen den Völkern Russlands und Deutschlands verdient gemacht haben. Frühere Preisträger waren unter anderem Michail Gorbatschow, Dr. Manfred Stolpe und Dr. Egon Bahr.

Neben seinem gesellschaftlichen und politischen Engagement, vor allem im ländlichen Raum Russlands, liegt Dürr die Verständigung und Zusammenarbeit zwischen Deutschland und Russland besonders am Herzen. 1994 rief er, begleitet durch das Bundeslandwirtschaftsministerium, den „Deutsch-Russischen Agrarpolitischen Dialog“ ins Leben, dessen Projektkoordinator er über lange Jahre war und der seit nunmehr 25 Jahren als Bindeglied in der deutsch-russischen Zusammenarbeit im Agrarsektor fungiert. Darüber hinaus stehen die Türen seines Unternehmens bereits seit Jahren für Interessierte offen, sodass mittlerweile weit über 1.000 Menschen aus Deutschland die landwirtschaftlichen Betriebe besucht haben.

Matthias Platzeck, ehemaliger Ministerpräsident des Landes Brandenburg und Vorstandsvorsitzender des Deutsch-Russischen Forums, betonte in seiner Laudatio die Tatkraft, mit der sich Dürr sowohl im wirtschaftlichen als auch im gesellschaftlichen Leben maßgeblich engagiert. Sein Erfolg als Unternehmer sei eng mit seinem stetigen Bestreben verbunden, auch politisch und menschlich Brücken zu bauen und durch positive Begegnungen die deutsch-russischen Beziehungen zu stärken. Recht hat Platzeck, obgleich seine Einschätzungen beispielsweise angesichts der andauernden Ukraine-Krise und der Krim-Annexion durch Russland im Frühjahr 2014 hierzulande sicherlich auch so manches Kopfschütteln hervorrufen dürften.

Aus unternehmerischer Sicht allerdings, und erst recht als ein „Vor-Ort-Agierender", ist Dürrs Verhalten nachvollziehbar. Parallelen zur ostdeutschen Mentalität werden sichtbar, sich an die Umstände und Bedingungen anzupassen und aus ihnen das Beste (für sich) - und in diesem Falle für die Firma - zu machen. Was würde es ihm auch nützen, etwa dem russischen Präsidenten Kontra zu bieten? Auf alle Fälle nichts, was die Erfolgsgeschichte von Ekoniva in Russland fortsetzen würde. Und nicht zuletzt ist Völkerverständigung angesichts unzähliger aktueller „Brandherde“ auf der Welt wichtiger denn je.

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