Olaf Schultz zum Aus für Schlachtung in Teterow

Hoch lebe das Tierwohl


Diese Nachricht hatte es in sich: Ende August endet in Teterow eine 131 Jahre währende Tradition. Der Schlachthof von Danish Crown stellt Ende dieses Monats die Schlachtung von Schweinen ein.

Das kündigte das Unternehmen mit Firmensitz im dänischen Randers vor gut drei Wochen offiziell an. Zuvor war die Belegschaft über die anstehenden Veränderungen informiert worden. Begründet wird der Schritt der Dänen mit „schwierigen Marktbedingungen“, die die Schlachtung unrentabel machten. Man habe sehr gezielt daran gearbeitet, sowohl die Produktion als auch die Vermarktung von Schweinefleisch aus dem Betrieb in Teterow zu entwickeln und die Vermarktung von Schweinehälften zu verbessern. Erfolg war diesen Bestrebungen offenbar jedoch nicht beschieden.

Zukünftig will sich Danish Crown in Teterow ausschließlich auf die Schlachtung, Verarbeitung und Vermarktung von Rindern konzentrieren. Hier sollen laut eigenem Bekunden der Führungsriege in Teterow „neue Veredelungs- und Wertschöpfungsmöglichkeiten entwickelt werden, um den Standort nachhaltig und langfristig für die zukünftigen Herausforderungen aufzustellen“.

Für die Landwirte der Region ist der Schritt aus Randers ein Affront. Denn das Werk in Teterow ist der einzig noch verbliebene Großbetrieb der Branche im Agrarland Mecklenburg-Vorpommern. Mit dem kurzfristigen Aus der Schweineschlachtung stehen die Viehhalter vor enormen Problemen. Traditionelle Produktionsabläufe sind auf einen Schlag abgerissen. Brauchbare Alternativen fehlen. Zwar hat der dänische Konzern erklärt, dass man Landwirten, die Interesse haben, weiterhin Schweine an Danish Crown zu liefern, gern helfe, „einen Kontakt zu unserer Niederlassung in Essen/Oldenburg“ herzustellen. Der Ort liegt bei Meppen in Niedersachsen, mehr als 400 km von Teterow entfernt. Ansonsten müssten die Schweine künftig Hunderte Kilometer bis nach Perleberg (Brandenburg) oder Weißenfels (Sachsen-Anhalt) gefahren werden. Es stellt sich die Frage, wie dies mit „Bio“ oder gar „Tierwohl“ zu vereinbaren ist; ganz zu schweigen von der momentan aufgeregten Diskussion um CO2-Emissionen.

In der Bauernschaft haben die Dänen die Alarmglocken schrillen lassen. Denn etliche Betriebe kämen in eine existenzbedrohende Lage, wenn das Unternehmen sein Vorhaben wie angekündigt durchzieht, wonach es derzeit aussieht. Die Zeit drängt: Erste Schweinehalter denken wohl schon ans Aufhören. Aber ein weiterer Abbau der Tierbestände scheint ja geradezu politisch gewollt. In gewissen (grünen) Kreisen dürfte der Schritt von Danish Crown daher sicher viel Zustimmung erfahren.   

Wie gesagt – die Alarmglocken schrillen. Aber sie schrillen erstaunlicherweise (noch) relativ verhalten. Das ist kein Wunder. Die Landwirte sind momentan mit den Erntearbeiten beschäftigt und die Politiker im Urlaubsmodus. Ein Schelm, der Böses dabei denkt, dass die Dänen sich genau den Monat August für ihr Vorhaben ausgesucht haben.

2 Kommentare

  1. Jule Köhler
    Erstellt 13. August 2019 12:31 | Permanent-Link

    Sehr guter und informativer Artikel, Herr Schultz!

  2. Burkhard Henkel
    Erstellt 14. August 2019 09:40 | Permanent-Link

    Danish Crown ist gerade mit dem Schwein so groß geworden. Das Unternehmen handelt auch bei den aktuellsten Entscheidungen nach den Gesetzten des Marktes. Sinken die Margen, muss gegengesteuert werden. Konzentration, Umstrukturierung, Stilllegung, Verlagerung - alles nichts Neues. Warum sollte ein solcher Großkonzern Rücksichten nehmen? Sind die daraus weiteren Transportwege dem Tierwohl ein Hindernis, so jubeln zudem auch die Gegner des Fleischverzehrs und der Massentierhaltung, auch wenn diese davon meist wenig verstehen oder verstehen wollen. Jubeln tun im Endeffekt auch die Importeure, wenn der Verbraucher es will und er will. Bleibt der Schrei nach dem Staat, dem Minister, der dann sofort und gleich einschreiten soll, denn sonst wird er für unfähig erklärt und die ganze Regierung dazu. Die Opposition hat es ja schon immer gewusst. Alles ganz normal - oder? Es ist nicht einfach mit Ökonomie und Ökologie. Der Markt wird es richten? Nun stehen die Schweinefleischesser vor den gleichen Problemen wie die Kreuzfahrer, die Kurz- und Langstreckenflieger, die Autobauer, die SUV- Fahrer oder die Gemüseverkäufer mit ihren Tüten. Die Reihe ließe sich beliebig fortsetzen. Es fehlt uns die Grundphilosophie. Es fehlt uns überhaupt Philosophie. Eine gesittete politische Auseinandersetzung, was zu tun ist, ist nicht in Sicht. Da ist der betroffene Schweinezüchter eben ein kleines Opfer der Entwicklung.

    Burkhard Henkel, Walschleben

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