Olaf Schultz zum Braugerstenmarkt

Landwirte, Mälzer und Brauer ziehen an einem Strang

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Der Stopp an der Tankstelle mit des Deutschen liebstem Kind lässt uns momentan feuchte Augen bekommen. Angesichts der horrenden Energiepreise sollten nicht alle Tränen vergossen werden. Auch für das wohlverdiente Feierabendbier müssen wir bald tiefer in die Tasche greifen.

 Mittlerweile haben drei führende deutsche Brauereien – die Radeberger Gruppe, Krombacher und Veltins – Preiserhöhungen für Frühjahr 2022 angekündigt. Hohe Energie- und Rohstoffkosten veranlassen die Brauer zu diesem Schritt.

Die diesjährige Sommergerstenernte bleibt deutlich hinter den Erwartungen zurück. Ein Flächenminus zum Vorjahr von 18 Prozent auf bundesweit nur noch 300000 ha und witterungsbedingte Ertragseinbußen sind dafür verantwortlich. Die Malzindustrie schätzt, dass in dieser Saison nur rund 1 Mio.t an heimischer Qualitätsbraugerste angedient werden dürften, was zu einem Importbedarf von etwa 1 Mio. t an ausländischer Ware führt. Also blickt die Malzbranche über die Landesgrenzen, etwa nach Frankreich. Auch dort enttäuscht die jüngste Ernte wegen Flächenrückgang und Qualitätsproblemen. In Dänemark, einem weiteren wichtigen Lieferland, ist die Qualität zwar in Ordnung, es fehlen aber die Mengen.


Die aktuelle Konstellation führt für die Mälzer zu Rohstoffengpässen. Braugerste wird in Deutschland nur dann angebaut, wenn es sich für den Landwirt rechnet. Unzureichende Braugerstenprämien haben die Abwanderung in weniger Qualitätsrisiko-behaftete Feldfrüchte sukzessive vorangetrieben. Kaum prognostizierbare Kursrallys, wie momentan zu beobachten, erschweren der Landwirtschaft zusätzlich die Anbauentscheidung pro Sommerbraugerste. Mehr Regionalkonzepte, die Brauereien, Mälzereien und Landwirte einbinden und in denen den Erzeugern die Abnahme ihrer Qualitätsbraugerste zugesichert wird, könnten den Teufelskreis durchbrechen. Diese wären zudem ein Beitrag zum Klimaschutz, da unnötig lange Transporte vermieden würden. Auch ein etwas teureres Bier kann so guten Gewissens durch die Kehlen fließen.

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