Olaf Schultz zur kleinen/großen Landtechnikwelt

Schleudersessel

Es war wohl „die" Personalie aus der Wirtschaft vor sechs Jahren, etwa zum gleichen Zeitpunkt: Der US-Landmaschinenkonzern Agco präsentierte Dr. Rob Smith als neuen Senior Vice President und General Manager für die Region Europa, Afrika und Mittlerer Osten (EAME).

 Diese Region war und ist für den Landmaschinenhersteller überaus wichtig, da einträglich. Konzernchef Martin Richenhagen war seinerzeit hoch erfreut, als er mit Smith den personellen Zuwachs in seiner Firmenzentrale in Duluth/US-Bundesstaat Georgia verkünden konnte.

Und dies wurde auch ‚höchste Eisenbahn‘. Denn der Posten war im Agco-Konzern mehrere Monate unbesetzt. Smith’s Vorgänger, der Deutsche Hubertus Mühlhäuser, wurde nämlich von Richenhagen fristlos gekündigt. Zwischen ihm und Mühlhäuser soll es persönliche Auseinandersetzungen gegeben haben. Randbemerkung: Seit September vorigen Jahres lenkt Mühlhäuser die Geschicke des weltweit zweitgrößten Landmaschinenherstellers und Agco-Konkurrenten CNH als Vorstand (CEO).

Zurück zu Mr. Smith, der im Team von Richenhagen doch einiges an Empfehlungen auffahren konnte. So verfügt der in Deutschland promovierte Diplomkaufmann über umfangreiche internationale Management-Erfahrungen und bekleidete Spitzenpositionen in weltweit tätigen Firmen der Automobilzuliefererbranche. Auch bei Agco kannte die Karriereleiter des ehemaligen Offiziers der US-Army nur einen Weg – nach oben. Smith, inzwischen Senior Vice President und General Manager der Region Europa und Naher Osten (EME), wurde ab Januar dieses Jahres zum neuen Aufsichtsratsvorsitzenden gewählt.

Und er verband mit seiner Position große Pläne. So kündigte Smith vor nicht allzu langer Zeit an, die Premiummarke Fendt aus seinem Haus nach Nord- und Südamerika zu bringen. „Wir reden hier über zusätzliches Geschäft im Wert von rund 550 Millionen Euro“, ließ Smith die Öffentlichkeit mit Blick in die Zukunft wissen. Und Richenhagen war letztlich voll des Lobes und erklärte: „Ich freue mich, dass unser Europa-Chef Rob Smith den Vorsitz im Aufsichtsrat der Agco GmbH Marktoberdorf übernimmt und die erfolgreiche Entwicklung der Marke Fendt und der deutschen Agco-Standorte mit dem Aufsichtsrat, der Geschäftsführung und der gesamten Belegschaft weiter vorantreiben kann.“

Jetzt war Smith dem Agco-Konzern wieder eine Meldung wert. Die Botschaft jedoch erstaunte gänzlich: Der derzeitige Senior Vice President verlässt das Unternehmen zum 31. Januar 2020. Sein Nachfolger wird der Deutsche Torsten Dehner sein. Dem Vernehmen nach war Smith seit etwa zwei Jahren als Nachfolger von CEO Richenhagen vorgesehen. Allerdings soll er zuletzt vom Agco-Aufsichtsrat als ‚etwas statisch und unbeweglich‘ eingeschätzt worden sein.

Dieser Beurteilung habe sich Richenhagen nur bedingt angeschlossen, sie jedoch schließlich akzeptiert. Dehner, der in seiner bisherigen Laufbahn auch einige Erfahrung bei einem maßgeblichen Landtechnikhersteller gesammelt haben soll, werde als ‚flexibler und zukunftsorientierter‘ eingeschätzt. Mit dieser für ihn ‚Niederlage‘ sei Smith nicht zurechtgekommen, deshalb verlässt er Agco. Richenhagen habe ihn mit einer recht ansehnlichen Summe im Konzern halten wollen, doch gleichwohl ergebnislos. Offensichtlich hat doch nicht jeder Mensch seinen Preis.

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