Olaf Schultz zur Pflüger-WM in Deutschland

Herbstmärchen

Zur Fußball-WM in diesem Sommer hat Deutschland seine Chancen rasch verspielt. Aber: Jeder hat eine zweite Chance verdient, so auch unsere gebeutelte Nation. Anfang September wird die Weltpflüger­meisterschaft in Baden-Württemberg ausgetragen.

 Statt Jogis Jungs auf dem Rasen halten wir dann unseren Profis auf dem Acker die Daumen.   

Am 1. und 2. September haben 20 lange Jahre des Wartens ein Ende. Die Welt-Elite des Pflügens versammelt sich in Baden-Württemberg, genauer gesagt auf dem Hofgut Einsiedel in Kirchentellinsfurt bei Tübingen. Deutschland ist zum 4. Mal Gastgeber dieses Großereignisses überhaupt, nach 1958 in Hohenheim/Baden-Württemberg, 1978 in Wickstadt/Hessen sowie 1998 in Altheim/Bayern. Angemeldet haben sich zu diesem Agrarevent Profis aus mehr als 30 Ländern aller Erdteile. Neben den spannenden Wettkämpfen wird den Besuchern aus nah und fern ein attraktives Rahmenprogramm mit zahlreichen Höhepunkten geboten.

Pflügen – die Königsdisziplin unter den landwirtschaftlichen Tätigkeiten – ist die erste und wichtigste Arbeit des Jahres beim Anbau von Nutzpflanzen. Das Leistungspflügen stellt einen öffentlichen Wettbewerb um das beste Ergebnis dar, bei dem es um das Ziehen gerader Furchen und das korrekte Wenden des Bodens geht. Die Weltmeisterschaften finden jährlich auf einem anderen Erdteil statt. Teilnehmen können aus jedem Land ein Beet- und ein Drehpflüger. Sie müssen jeweils auf Stoppelfläche und Grasland ihr Können beweisen. Hierzulande qualifiziert man sich dafür bei den Deutschen Meisterschaften. Die amtierenden Gesamtsieger, die 2017 in Kenia ermittelt wurden, kommen für den Beetpflug aus den USA und für den Drehpflug aus Irland.   

Dem Vernehmen nach hat Deutschland gute Chancen, in diesem Jahr den Titel zu holen. Der 31-jährige Drehpflüger Sebastian Murkowski und der 28-jährige Beetpflüger Florian Sander werden auf dem Gut Einsiedel auf der Suche nach der perfekten Furche sein. Selbst wenn auch sie den WM-Titel verpassen, geht Deutschland trotzdem als Sieger aus dem Event hervor. Das Wetteifern, wer mit Traktor und Pflug am besten umgehen kann, ist die eine Seite. Andererseits versuchen die Initiatoren, Landwirtschaft quasi „zum Anfassen“ unter die Leute zu bringen, jenseits von Skandalen und Gejammer.  Auch für potenzielle Nachwuchskräfte dürfte das Image der Branche durch diesen „Feldsport“ gewinnen. Große Maschinen faszinieren halt immer – und nicht nur das runde Leder. Letztlich bieten die Wettkämpfe eine Möglichkeit zum fachlichen Austausch zwischen Landwirten und Fachleuten auf internationalem Parkett – in Zeiten wachsender Spannungsherde rund um den Globus ein unschätzbares Gut.  

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