Olaf Schultz zur Situation der Mühlenbranche

Regionalität wird zum Prüfstein

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Die Getreideernte fällt hierzulande schlechter aus als im Durchschnitt der Vorjahre. Hinzu kommt, dass die Qualität des Brotgetreides regional sehr uneinheitlich ist. In der Müllerei muss daher ein großer Aufwand betrieben werden, um geeignete Getreidepartien zu beschaffen und für die Mehlherstellung aufzubereiten.

Zudem sorgen magere Ernteprognosen in wichtigen Anbauregionen weltweit für enorme Preissprünge an den Börsen in Paris und Chicago. Für die Müllerei sind das schwierige Zeiten. Immerhin machen die Rohstoffkosten etwa 80 Prozent der Gesamtkosten einer Mühle aus.

Der offizielle Erntebericht des Bundesagrarministeriums weist eine Steigerung der Erzeugerpreise für Weizen und Roggen von gut 35 Prozent gegenüber 2020 aus. Wie alle Branchen in Deutschland hat auch die Mühlenwirtschaft zudem mit den höchsten Energiepreisen in Europa zu kämpfen. Nun kommen weitere Kostensteigerungen mit der Einführung des nationalen Emissionshandelssystems und der CO2-Abgabe auf fossile Brennstoffe hinzu. So wird Prozesswärme, die etwa zur Herstellung von Mühlenprodukten benötigt wird, aus Erdgas gewonnen, das seit Jahresbeginn mit diesem Obulus belastet ist.

Die Getreidebeschaffung bleibt das Herzstück für den wirtschaftlichen Erfolg in der Müllerei, um mit dem Massenprodukt Mehl im Markt erfolgreich zu sein. Zugleich ist die Branche zentraler Pfeiler der Versorgung der Bevölkerung mit Grundnahrungsmitteln aus regionalen Rohstoffen. Wie wichtig eine solch starke Basis ist, hat Corona vor Augen geführt. Die aktuell hohen Rohstoffkosten und die weiter steigenden Aufwendungen für Energie sowie die Auswirkungen der CO2-Abgabe werden in die Kalkulationen der Mühlen einfließen. In der Konsequenz sind höhere Mehlpreise kaum auszuschließen. Weiterverarbeiter, Handel und letztlich die Verbraucher werden dann zeigen müssen, wie viel ihnen die heiß gepriesene Regionalität wert ist.

 

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