Olaf Schultz zur Versorgungslage

Für Mühlen schwieriges Fahrwasser voraus

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Politische Auflagen steigern den Aufwand und die Kosten für eine gesicherte Rohstoffbasis. Regionale Lieferketten sind bedroht.

Zuletzt heiße und trockene Sommer mit regional überschaubaren Getreidemengen, ein knallharter Wettbewerb am Mehlmarkt, der überdies durch Überkapazitäten geprägt ist: Die Herausforderungen für die hiesige Müllerei sind beachtlich. Nun werden weitere politische Vorhaben umgesetzt: neue Düngeverordnung, Farm-to-Fork-Strategie oder verschärfte Höchstgehalte für Mykotoxine seien exemplarisch genannt. Absehbar ist dadurch, dass Aufwand und Kosten für die Rohstoffbeschaffung deutlich steigen werden.

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Die Forderung nach weniger Pflanzenschutzmitteln und die Festlegung immer strengerer Höchstgehalte für Mykotoxine passen nicht zusammen; ein klassischer Zielkonflikt. Neben witterungsbedingten Ernteausfällen, der Konkurrenz um die Ackerflächen, sinkenden Proteinwerten durch weniger Stickstoff wird auch der fehlende Pflanzenschutz das Angebot an Brotgetreide gewünschter Qualität einschränken. Zumindest regional ist das aufgrund der Restriktionen für die heimischen Getreidebauern zu erwarten. Ob dann die politisch so gewünschte regionale Versorgung noch aufrechterhalten werden kann, ist fraglich.

Die Rohstoffbeschaffung ist und bleibt das Herzstück für den wirtschaftlichen Erfolg in der Müllerei, um mit dem Massenprodukt Mehl im Markt erfolgreich zu sein. Brotgetreide wird es immer geben – und wenn es in Nordamerika oder der Schwarzmeerregion seinen Ursprung hat. Dass solches Getreide jedoch das von Brüssel und Berlin anvisierte Ziel von mehr Nachhaltigkeit und Klimafreundlichkeit erfüllt und die strengen europäischen Vorgaben einhalten kann, darf bezweifelt werden. Ob es also weiter funktionierende regionale Wertschöpfung in der Getreidekette geben wird, entscheidet die Politik. Die Landwirte jedenfalls stehen bereit, an der Umsetzung der politischen Vorgaben und gesellschaftlichen Wünsche mitzuarbeiten. Aber die Machbarkeit muss erhalten bleiben.

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