Peter Seeger über die Düngeverordnung

Wieder mal trifft es die Tierhalter unerwartet und heftig


Schon die Düngeverordnung 2017 war nicht ausgereift. Mit der jetzt notwendig gewordenen Nachwürzung ist der letzte Rest an Vertrauen in die Nachhaltigkeit der Politik zerstört.

Seit 2013 ist es klar, dass Deutschland eine neue Düngeverordnung bekommt. Damals wurde ein Vertragsverletzungsverfahren der EU wegen der Nichteinhaltung der EU-Nitratrichtline gegen Deutschland eingeleitet. Die Anstrengungen Deutschlands die Reinhaltung der Grundwasserkörper sicherzustellen, waren der EU nicht weitgehend genug. Ein langer Prozess der Diskussion über die Novellierung folgte, aus dem die aktuelle Düngeverordnung 2017 in Kraft trat.

Reduzierte Herbstdüngung war logistischer Kraftakt

Bessere Düngevorplanung, intensivere Dokumentation der Düngung und eine strengere Bilanzierung waren Einschnitte für die gesamte Landwirtschaft. Für die Tierhalter war die Verlängerung der Sperrfrist ab Ernte der Hauptfrucht, mit einigen sinnvollen Ausnahmen, bis zum 1. Februar im Ackerbau und die Reduzierung der anzurechnenden Lager- und Ausbringverluste noch eine zusätzliche Herausforderung.
Besonders die reduzierte Herbstdüngung war ein logistischer Kraftakt für die Tierhalter ohne Grünland. Durch die bisher schon geforderten 6 Monate Güllelagerraum konnte mit Hilfe der Abgabe von Teilen der Herbstgülle an mehrere Kollegen eine ackerbaulich meist sinnvolle Verwertung erfolgen.
In den gerade laufenden Bilanzierungen des Vorjahres und den Düngeplanungen für das Frühjahr zeigen sich jedoch wieder die Probleme der nicht ausgereiften Verordnungen. Für die Düngung müssen drei verschiedene Bilanzen und Planungen erstellt werden, die zum Teil zu erheblich abweichenden Ergebnissen kommen. Zudem sind noch Berechnungsprogramme der Länder im Umlauf, die falsch rechnen und erst noch korrigiert werden müssen.

Die Gülledüngung auf Ackerland droht komplett wegzufallen

Anscheinend hat die deutsche Bundesregierung ihre Hausaufgaben jedoch nicht ausreichend gut gemacht. Zumindest fordert die EU erhebliche Nachbesserungen, die 2020 in Kraft treten sollen. Eine Aufzeichnungspflicht der Düngung soll den Nährstoffvergleich ablösen. Wie sich dies in der Praxis auswirkt, kann man noch nicht sagen. Viel schwieriger wird es für die sogenannten „roten Gebiete“. Gebiete mit besonders schlechtem Zustand des Grundwassers. Diese sind noch nicht näher benannt, jedoch wird von bis zu 40 Prozent der Ackerfläche Deutschlands gesprochen. In diesen Gebieten darf die Düngung von Stickstoff nur noch 20 Prozent unterhalb des Bedarfes erfolgen. Das hätte erhebliche Auswirkungen auf die Erträge in diesen Regionen, was alle Landwirte treffen würde. Viel gravierender für die Tierhaltung ist quasi der komplette Wegfall der Gülledüngung auf Ackerland im Herbst. Die Ausnahmen der Düngung zu Raps, Gerste und Zwischenfrüchten fällt komplett bis auf die Zwischenfrüchte zur Futternutzung weg. Dies bedeutet eine Verlängerung der benötigten Lagerdauer der Gülle von 6 auf 10 Monate im normalen Veredelungsbetrieb mit Ackerbau. Diese Änderung soll kurzfristig nächstes Jahr in Kraft treten.

Wieder einmal trifft es die Tierhaltung unerwartet und heftig. Wo man im Ackerbau noch über Berechnungsmodelle und mögliche Bilanzüberschüsse diskutieren kann, muss bei der Gülleausbringung sofort gehandelt werden. Die Düngeverordnung 2017 war schon ein Kraftakt, der jedoch weitestgehend mit den bestehenden Ressourcen bewältigt werden konnte. Die neuen Auflagen werden in den „roten Gebieten“ den letzten Rest an Vertrauen in die Nachhaltigkeit der Politik zerstören. Die Landwirte sind sicherlich für Veränderungen bereit, jedoch nicht mit der Brechstange.

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