Peter Seeger über verunsicherte Landwirte

Wieviel N hätten Sie denn gerne?

Die Düngemaßnahmen sind momentan im vollen Gange. Egal ob organisch oder mineralisch. Aber dieses Jahr ist es irgendwie anders.

Das Jahr 1 in der neuen Düngerechnung hat begonnen: Düngeplanung, Düngebilanz, anrechenbare Verluste, Einarbeitungszeit und maximaler Bilanzüberschuss sind Vokabeln die dem Ackerbauer und Tierhalter nun geläufig sein müssen. Da kommt es schon mal vor, dass ein Kollege nur 12m³ Gülle im April fahren lassen will, da die Obergrenze pro Düngung bei 60kg N sei. Dies ist jedoch nur der Fall im Herbst oder bei gefrorenem Boden, jedoch nicht im Frühjahr bei aufnahmefähigen Böden. Nun ist dies nur ein kleines Beispiel, jedoch zeigt es exemplarisch, wie schwierig der Umgang mit der Verordnung ist.

Grundlegend ist es sicherlich richtig, die Düngung zu regulieren. Es ist in den letzten Jahren nicht immer alles richtig gemacht worden. Das Bild der Maisstoppel die im Herbst reichlich gedüngt wurden und dann über Wochen ohne Einarbeitung lagen, bis irgendwann im November Weizen gesät wurde. Genauso die Spätdüngung im Elite-Weizen, wo im ungünstigsten Fall die Düngekörner noch bei der Ernte am Boden lagen.

Ich hätte mir aber eine stärkere Unterstützung der Landwirte in der Umstellung erhofft. Gerade die Tierhalter müssen viel Geld in Güllelager und Technik investieren. Da wären schon frühzeitig ernstgemeinte Förderungen der Technik insbesondere von Maschinengemeinschaften angebracht gewesen. Die 20 Prozent Förderung der neuen Technik, die wir in Hessen bekommen sind meines Erachtens nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Da waren Förderungen in Bayern von 1€ pro m³ pro ausgebrachter Gülle mit Schleppschuh schon eher ein Anreiz für Landwirte, frühzeitig in die Technik zu investieren.

Gutes Geschäft für die Landtechnik

Die Gülletechnikhersteller reiben sich die Hände. Die Produktion ist über Monate oder fast Jahre ausgebucht. Wenn Sie heute ein neues Fass kaufen wollen, sind die Lieferzeiten schon weit im Jahr 2019, somit fast schon in dem Jahr des Verbotes der Breitverteilung von Gülle. Nach der abwartenden Haltung der Landwirte, bricht nun der Damm der aufgestauten Investitionen. Ob das der Gesetzgeber so vorhergesehen hat, mag man sicher bezweifeln.

Man wünscht sich ein besseres Miteinander zwischen Landwirtschaft, Behörden und Gesetzgeber. Nur scheint dies in der momentanen gesellschaftlichen Lage leider kaum umsetzbar. 

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