Peter Seeger über Protestaktionen

Schaffen Grüne Kreuze Vertrauen?


Jahrelag waren zumeist die Schweinehalter diesem medialen und politischen Gegenwind ausgesetzt. Dank Glyphosatdebatte und Insektensterben verändern sich auch im Ackerbau die Rahmenbedingungen in ungeahnter Weise.

Diese Zukunftsangst, befeuert von dem Agrarpaket der Umwelt- und Landwirtschaftsministerinnen im Bund, ist nun in allen Landesteilen angekommen. Die Verschärfung der Düngeverordnung und die Klimadebatte tuen ihr übriges dazu. Dies hat dazu geführt, dass in ganz Deutschland mahnende Grüne Kreuze auf Feldern aufgestellt werden und im Oktober noch große Bauerndemonstrationen mit Traktor-Sternfahrten geplant werden.

Jede Aktion, die auf die Probleme der Landwirtschaft hinweist, ist wichtig, da ein leises Sterben der Landwirtschaft nicht so weitergehen kann. Die Politik muss merken, dass sie dabei ist, den Bogen zu überspannen und dadurch ein absolut unnötiges Höfesterben zu befürchten ist. Nur ein aus meiner Sicht „Stilles Mahnmal“, das die Grünen Kreuze darstellen oder eine laute Bauerndemo mit Traktoren sind meines Erachtens nicht ausreichend. Wir haben es mit echten Ängsten der Bürger vor dem Insektensterben, Nitrat im Grundwasser und pestizidverseuchter Nahrung zu tun, die die Politik zu diesen zum Teil absolut überzogenen Gesetzen bewegt. Ob diese Ängste wirklich berechtigt sind, oder nur von Nicht-Regierungs-Organisationen und den Medien geschürt werden, ist dabei zweitrangig. Wir müssen diese Ängste ernst nehmen.

Hierzu findet man in der breiten Diskussion oder auch im Internet nicht viel sachliche Informationen. Es wird über Höfesterben, Bürokratie und geringere Erträge gesprochen. Jedoch wird nicht einfach und bildlich erklärt, worum es sich überhaupt bei dem Agrarpaket oder der Düngeverordnung handelt, noch wird berichtet, was die Landwirtschaft in den letzten Jahren schon zum Positiven verändert hat. Wir brauchen Antworten, wenn der Redakteur der Tageszeitung anruft und Informationen haben will. Die Vokabeln „Höfesterben, Bürokratie und geringere Erträge“ erzeugen nur ein mitleidiges Nicken, jedoch kein Vertrauen und Wertschätzung in eine regionale leistungsfähige Landwirtschaft.

Warum schafft es die Landwirtschaft nicht, Annoncen in die Zeitungen zu bringen, die mit positiven Bildern und Messages versuchen, ein positives Immage zu schaffen? Dies gepaart mit den vielen Aktionen vor Ort und einem enormen medialen Echo wären ein großer Schritt zu einer wirksamen Vertrauensbildung. Jedoch sind sich die regionalen Bauernverbände noch gar nicht alle sicher, ob sie die Aktion überhaupt unterstützen wollen und das Forum Moderne Landwirtschaft in Berlin, das eigentlich Kommunikation für die Landwirtschaft machen soll, hat wahrscheinlich von Grünen Kreuzen noch nichts mitbekommen. Wer soll dann schon eine solche Aktion koordinieren?

Vielleicht sollte man auch erwähnen, dass dieser Strukturbruch nicht nur die landwirtschaftlichen Betriebe mit ihren Familien betrifft. Auch der vor- und nachgelagerte Bereich wird sinkende Margen hinnehmen müssen, wenn die Wirtschaftlichkeit in der Landwirtschaft einbricht. Nicht zuletzt wird es sich auch auf die Verpächter auswirken, wenn seine Flächen zum Beispiel in einem Vogelschutzgebiet liegen und dadurch deutlich an Pachtwert verlieren. Daher ist es allemal wert, die Landwirtschaft in ihrem Kampf um ihre Existenzberechtigung auf breiter Basis zu unterstützen.

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  1. Andreas H.
    Erstellt 11. Oktober 2019 09:27 | Permanent-Link

    In meinem Fall, haben mir die aufgestellten viel Ärger gebracht weil sich ein Bauernhasser provoziert gefühlt hat. Dennoch ist die Aktion klasse und wir müssen den Rücken gerade halten.

    Die Frage, was wir tun können und müssen, ist nicht so einfach zu beantworten. Wir haben die Ministerin Klöckner, die durchdreht. Wenn wir diese Aggressivität mit gleicher Münze heimzahlen, steht nach dem 22. Oktober in Bonn kein Stein mehr auf dem anderen. Aber der deutsche Bauer hält sich an Recht und Ordnung, und vielleicht wären mal anerkennende Worte für unsere Geduld angebracht. Also es muss was geben zwischen Geduld und Aktion. Eine Strategie, wie wir diese überforderte Ministerin loswerden.

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