Peter Seeger zur Klimapolitik

CO2-Abgabe auch für die Landwirtschaft!

Wir verfehlen nun doch (oh Wunder) unsere CO2-Reduktionsziele um Längen. Nur 30 Prozent haben wir geschafft. Deutschland hatte 40 Prozent versprochen. Mal ganz ehrlich, was haben wir selber geleistet?

Wir haben die komplette Schwerindustrie in Ostdeutschland nach der Wende abgeschafft und die Stahlproduktion im Ruhrgebiet nach China verkauft. Auf unseren Straßen fahren mittlerweile mehr Autos mit 3 Liter Hubraum als mit 3 Liter Kraftstoffverbrauch. Wir wohnen auf immer mehr Wohnfläche pro Person und die Flughäfen verbuchen stetige Wachstumsraten. Wirklich eingeschränkt hat sich kaum jemand. Das kostspielige Feigenblatt erneuerbare Energien stößt in unserem dicht besiedelten Land an seine physikalischen und gesellschaftlichen Grenzen.

Klimapolitik ist zur Symbolpolitik geworden. Sie hat mit Effizienz der eingesetzten Ressourcen kaum was zu tun. Unsere Marktwirtschaft funktioniert so aber nicht. Bestes Beispiel ist die Einführung des Elektroautos in Deutschland. Ein dazu passendes Interview gab der Volkswagenchef Herbert Diess in der FAZ in dieser Woche: Der Konzern folge bei der Einführung der E-Autos  den politischen Vorgaben. Durch die Modernisierung des Wolfsburger Kraftwerkes entstünden CO2-Vermeidungskosten von 14 € pro Tonne. Bei einem E-Auto seien die Vermeidungskosten hingegen zehnmal so hoch.

Keine Bürokratie bitte

Daher sehe ich als Unternehmer ein riesiges Potenzial in der Bepreisung von CO2-Ausstoß, egal in welcher Form. Ob jetzt Steuer oder Zertifikate, wichtig ist nur, dass sich der bürokratische Aufwand in Grenzen hält. Eigentlich müssten nur die fossilen Energieträger wie Kohle und Erdöl verteuert werden. Berechtigterweise hat die Politik jedoch Angst vor der Wut der Bürger, wenn Klimaschutz nicht mehr nur ein Lippenbekenntniss bleibt, sondern im Geldbeutel spürbar wird. Mutige Steuerentlastungen pro Kopf, die nicht mit dem Energieverbrauch in Verbindung stehen, können hier aber Abhilfen schaffen.

Eine Sonderrolle hat hierbei die Landwirtschaft. Auch sie soll in das System mit aufgenommen werden. Der Einsatz fossiler Rohstoffe ist überschaubar und durch die neue Düngeverordnung nochmal gebremst. Dies ist die einzige Branche neben der Forstwirtschaft, die auch aktiv CO2 reduziert. Mehr Effizienz im Einsatz der Düngemittel, hohe Futterverwertungen bei Getreidefütterung oder die Nutzung natürlichen Grasaufwuchs bieten riesige Chancen für die Reduktion der Emissionen in der Landwirtschaft. Weniger Lachgasemissionen, direkte Einarbeitung des Harnstoffs in den Boden oder der Anbau von Leguminosen sind Bereiche, in denen wir noch forschen müssen. Aber mit Fleischverzicht den Klimawandel stoppen zu können, ist eine Mär. Denn die Alternativen auf dem Speiseplan des Vegetariers bestehen zum Beispiel aus peruanischem Spargel oder Tomaten aus dem beheizten Gewächshaus in Spanien. Hierbei entstehen doch auch erhebliche CO2-Emissionen, die eingepreist werden müssen.

CO2-Bepreisung darf Ansehen der Tierhalter nicht beschädigen

Die Herausforderung liegt im Detail der Berechnung und Umsetzung der Abgabe. Ich befürchte, dass auch hier wieder mal versucht wird, die Tierhaltung zu diskreditieren oder den Ökolandbau per se zu bevorzugen. Hier darf sich die Landwirtschaft nicht wieder auseinanderdividieren lassen. Wir sollten die Chancen unserer meist vorzüglichen natürlichen Gegebenheiten nutzen.

Vielleicht kann über eine CO2-Abgabe der ackerbaulich sinnvolle Aufbau von Humus gefördert werden. Es soll schon die ersten Zertifizierungssysteme geben, die die CO2-Einlagerung nachvollziehbar dokumentieren.


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