Peter Seeger über den Umgang mit Christina Schulze Föcking

Mafia-Methoden

Manchen Kommentatoren zum Rücktritt von Ministerin Schulze Föcking zufolge ist es zwar bedauerlich, aber wohl ein normaler Vorgang in der Demokratie, dass Minister/innen kommen und gehen. Zurück zum Tagesgeschäft … Ich sehe das anders.

Es verdient enormen Respekt sich so vehement mit Sachverstand für die Branche einzusetzen, unpopuläre Entscheidungen zu treffen, anders als in der Politik üblich. Das da natürlich der eisige politische Wind der Opposition ins Gesicht bläst, ist klar und gehört zu einer guten Demokratie. Nun kommt aber ein neuer Aspekte hinzu: Es startet eine lange geplante Kampangne mit Stalleinbrüchen über viele Monate, die lange vor der Landtagswahl begann, ihren medialen Lauf.

Nun kann man Christina Schulze Föcking sicherlich vorwerfen, damit nicht souverän umgegangen zu sein. Jedoch ist es schwerlich möglich, immer alles richtig zu machen. Ich hätte mir auch gewünscht, dass ihr Betrieb vorher schon mehr Öffentlichkeitsarbeit gemacht hätte und seine Tierhaltung proaktiv dargestellt hätte.

Landwirte müssen differenzierter mit dem Thema Stalleinbruch umgehen

Wir als Berufsstand haben aber selber nicht gelernt, objektiv mit Stalleinbrüchen umzugehen. Es ist zu unterscheiden zwischen unhaltbaren Zuständen in Schweineställen, die sofort abgestellt werden müssen, und einer Sammlung von Material über viele Monate hinweg aus einem gut geführten Betrieb, bei dem zusätzlich der Wahrheitsgehalt des Materials oftmals nicht eindeutig zuzuordnen ist. Probleme im Stall hat jeder mal, der Tiere hält. Wie damit umgegangen wird, ist die andere Frage, wozu der Sachverstand eines Veterinäres erforderlich ist.

Unhaltbar für einen Rechtsstaat

Für mich sind die Methoden und der Druck, dem die ehemalige Ministerin ausgesetzt war, und immer noch ist, unhaltbar in einem Rechtsstaat. Von anonymen Drohungen der perfidesten Art per Email bis zu Briefen, die die eigenen Kinder bedrohen reichten die seelischen Attacken, um nur einen kleinen Ausschnitt zu nennen. Dass Politiker, die sich Pegida entgegen stellen, attackiert werden, sind wir schon gewohnt, dass aber jemand, der für den Erhalt der bäuerlichen Landwirtschaft einsteht, den Zorn einer kleinen radikalen, gut organisierten Gruppe auslöst, ist neu.

Die Methoden der Zermürbung kommen dem Kampf der Mafia gegen ihre Gegner gleich. Vielleicht noch nicht mit wirklich körperlicher Gewalt, die Drohungen sind aber sehr eindringlich. Und die Gesellschaft schaut zu (und klatscht heimlich Beifall). „Wird schon was dran sein“, „die Lobbyisten wieder“, „Diese schrecklichen Bilder“. Es ist zwar absurd. Aber solch eine Stimmung gegen eine Minderheit, organisiert durch eine völlig unterschätzte kleine Gruppe, hatten wir vor 80 Jahren schon einmal in Deutschland. Was macht der Berufsstand dabei? Der sagt: "Sie hat sich für uns in den Ring geworfen." Na und? "Bedauerlich, aber nächste bitte…“

Weitblick zeigt, wer in Öffentlichkeitsarbeit statt in Prämien investiert

Letzte Woche besuchte ich eine Versammlung der Südzucker zur neuen Kampagne. Pflichtschuldig werden ein paar Folien mit Protesten gegen Glyphosat und Neonikotinoide gezeigt, um den Verlust der Wirkstoffe zu kritisieren. Natürlich sind die Rahmenbedingungen auf dem Weltmarkt momentan nicht rosig. Die Hoffnung besteht aber, dass das wieder besser wird. Daher zahlt die Zuckerfabrik enorme Treueprämien, um die Anbauer bei der Stange zu halten. Ohne die bald verbotenen Pflanzenschutzmittel und Beizen sind die Probleme in den intensiven Rübengebieten aber um ein vielfaches höher und die Produktion ist wirklich langfristig in Frage gestellt. Wäre nicht eine Investition in eine aktive und intensive Öffentlichkeitsarbeit eine weitblickendere Investition in den Standort Deutschland, um die Akzeptanz gewisser Anbaumethoden zu fördern? Gerade die Zuckerindustrie sollte doch über die nötigen finanziellen Ressourcen und Vernetzungen verfügen.

Die jetzige Generation versteht das Wort "nachhaltig" falsch 

Das ganze Leid in den Familien, die hohen Kosten vieler unsinniger Auflagen und die jungen Landwirte, die sich dem Beruf abwenden, müssten nicht sein. Die Landwirtschaft hat bei uns über Jahrhunderte nachhaltig gewirtschaftet, sodass die nächste Generation vom Acker und dem Vieh leben konnte. Aber anscheinend hat die jetzige Bauern-Generation das neue „nachhaltig“ noch nicht verstanden. Nicht die Investition in Drainagen oder neue Tierställe sichern die Existenz der nächsten Generation. Akzeptanz für unser Wirtschaften in einer überaus kritischen und satten Gesellschaft ist der wichtigste Produktionsfaktor in den nächsten Jahren. Dazu müssen wir Menschen, die sich für uns in den Ring werfen, unterstützen. Dazu brauchen wir 20 Schweinemobile und jedes Schulkind muss mindestens alle zwei Jahre einen konventionellen Bauernhof besuchen.

Es gibt keine Alternative. Oder wir lauschen dem leisen Beifall der Anderen, betreiben Ackerbau nur noch mit extremen Subventionen halb biologisch am Markt vorbei und halten ein paar Bio Hühner für die Direktvermarktung als Überbleibsel der deutschen Tierhaltung.

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