Stefanie Pionke zum Agrarhandel

Allianzen werden ausgebaut

Foto: Privat

Der enger werdender Betriebsmittelmarkt setzt Agrarhandel unter Druck. Kooperationen können Kräfte bündeln und die Eigenständigkeit sichern.

ATR fusioniert mit Beiselen, RWZ Köln und Raiffeisen Waren in Kassel schmieden eine Allianz – und wer kommt als Nächster? Das Kapitel der Kooperationen, Allianzen und Fusionen im Agrarhandel ist längst nicht abgeschlossen. Dafür sprechen viele Faktoren, darunter der perspektivisch schrumpfende Umsatz im Geschäft mit Dünger und Pflanzenschutz, außerdem die schwindende Zahl der landwirtschaftlichen Kunden.
 
Auf der Bilanzpressekonferenz der Hauptgenossenschaft im Mai hat RWZ-Vorstandschef Christoph Kempkes selbst anklingen lassen, dass die Allianz zwischen Köln und Kassel offen für Partner sei – und die Unternehmen in womöglich nicht allzu ferner Zukunft weitere Mitstreiter im Bunde willkommen heißen könnten. Die neue Gesellschaft BAT Agrar, die zu Beginn dieses Jahres aus der Fusion von Beiselen und ATR Landhandel hervorgegangen ist, lädt ihrerseits manch einen Beobachter zu Gedankenspielen ein, ob auch dieser Bund offen für weitere Partner ist.
 
Ohne sich hier über die Gebühr in Spekulationen ergehen zu wollen, steht eines fest: Der Handlungsdruck im Agrarhandelsmarkt endet nicht mit den jüngsten Fusionen, Kooperationen und Allianzen. Zieht der Gesetzgeber in Sachen Biodiversitätsschutz, Pflanzenschutz- und Düngemittelverwendung die Zügel weiter an, wird der Agrarmarkt gerade im Bereich der Betriebsmittel kleiner werden. Logische Konsequenz daraus ist ein verschärfter Verdrängungswettbewerb. Allianzen sind da ein probates Mittel, als Unternehmen weiter eigenständig am Markt zu bleiben und punktuell die Kräfte mit Wettbewerbern zu bündeln.
„Der Handlungsdruck im Agrarhandelsmarkt endet nicht mit den jüngsten Fusionen, Kooperationen und Allianzen.“
Stefanie Pionke, 

Ein Feld, auf dem der Handlungsdruck erkannt, aber noch längst nicht alle Möglichkeiten ausgeschöpft sind, ist die Digitalisierung. Während einige der Handelshäuser eigene Experimente starten oder zunächst mit sich selbst beschäftigt sind, um Prozesse und Warenwirtschaft zu digitalisieren und auf Effizienz zu trimmen, eröffnen Start-ups mit digitalen Agrarhandelsplattformen neue Vertriebswege für Getreide, Ölsaaten und Betriebsmittel.
 
Auch dieser Markt wird sich weiter sortieren: Eine spannende Frage dabei ist sicherlich, inwieweit die „jungen Wilden“ aus der Start-up-Szene den Schulterschluss zum „analogen Handel“ suchen werden. Schaut man in andere Wirtschaftsbereiche, steht auf jeden Fall eines fest: Unter digitalen Plattformen gibt es in der Regel klare Platzhirsche. Während Amazon den globalen E-Commerce dominiert, ist Google die Suchmaschine schlechthin. Daneben gibt es zwar noch weitere, meist kleinere Anbieter. Doch die haben am Markt nur eine untergeordnete Bedeutung.
 
Daher ist es – übertragen auf die Agrarbranche – durchaus eine spannende Frage, ob eines der heute in Sachen Digitalisierung in Deutschland aktiven Unternehmen sich zum Amazon des digitalen Agrarhandels entwickeln kann – oder welche der bisher unabhängig voneinander agierenden Spieler sich zu einem solchen „Agrar-Amazon“ zusammenschließen werden.
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