Stefanie Pionke zur Agrarwirtschaft und DRV-Bilanz

Viele Baustellen voraus

-
-

Die Agrarwirtschaft ist zwar bislang vergleichsweise glimpflich durch die Coronakrise gekommen. Doch auch abgesehen von der Pandemie steckt die Branche in einem tiefgreifenden Transformationsprozess. 

Die systemrelevante Agrarwirtschaft ist bislang mit einem blauen Auge durch die Corona-Pandemie gekommen – das zeigen die jüngsten Umsatzzahlen vom Deutschen Raiffeisenverband (DRV). Doch abgesehen von der Pandemie sind die Baustellen vielfältig für die genossenschaftlichen Agrarhändler, Milch- und Fleischverarbeiter oder Erzeugergenossenschaften.

DRV könnte Vorreiterrolle beanspruchen

Allen Agrarhandelsunternehmen, auch den genossenschaftlichen, drohen weitere Umsatzrückgänge im Betriebsmittelbereich, wenn die Reduktionsvorgaben für Pflanzenschutz wie beispielsweise aus dem Insektenschutzpaket in Deutschland oder dem Green Deal auf EU-Ebene wie geplant umgesetzt werden. Hier sind neue Dienstleistungs- und Geschäftsmodelle gefragt; der DRV könnte dabei eine Vorreiterrolle für sich beanspruchen und seinen Mitgliedsunternehmen entsprechende Konzepte vorschlagen. DRV-Präsident Franz-Josef Holzenkamp spricht hier mit Recht von einer tiefgreifenden Transformation: Die Unternehmen müssen sich ein Stück weit neu erfinden.

Die Molkereien sehen sich wiederum durch die anhaltende Debatte um das Tierwohl gefordert, die Fleischverarbeiter sowieso. Wer am Ende für eine artgerechtere Nutztierhaltung bezahlen soll, ist weiterhin eine vielfach ungelöste Frage. Zwar gibt es für die Fleischwirtschaft die Initiative Tierwohl, die hier zumindest teilnehmende Landwirte für großzügigere Ställe mit mehr Beschäftigungsmaterial kompensiert. In der Milchwirtschaft dagegen steht die Debatte darum, wer in der Wertschöpfungskette nun für mehr Tierwohl zahlt und wie die Verbraucher zur Kasse gebeten werden können, noch recht am Anfang. Die von DRV, Bauernverband und Milchindustrie-Verband getragene „Strategie 2030“ ist angetreten, um diese Probleme zu lösen. Ob sie das schafft, wird sich zeigen.

Kommentare

Die Kommentare für diesen Artikel sind geschlossen.

    stats