Stefanie Pionke zur Preisrally

Auf den Rausch folgt der Kater

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Die Energiepreise gehen auf Rekordjagd. Das zieht zwar die Ölsaaten- und vor allem die Pflanzenölmärkte derzeit mit nach oben. Doch die Frage ist, wie lange es noch dauert, bis auf die Hochpreisparty die Ernüchterung folgt.

 Analysten halten die Preise für die nachfragestärksten Pflanzenöle Soja-, Palm-, Sonnenblumen- und Rapsöl jedenfalls tendenziell für zu hoch und überbewertet. Das heißt unter anderem: Selbst wenn Raps in der EU aktuell ein knappes Gut ist, dürfte sich das Blatt spätestens zur Saison 2022/23 wenden: Wer jetzt noch mit Recht die 700-Euro-Marke bei den Raps-Futures in Paris vor Augen hat, sollte das hohe Preisniveau schnell nutzen. Denn attraktive Preise führen in der Regel zu einer Ausdehnung der Anbauflächen. Und das bedeutet: Das Angebot steigt, der Preisdruck ebenfalls.

In der Folge würde auch der Importbedarf in Europa, der in der laufenden Saison nach Berichten der EU-Kommission um knapp 40 Prozent gegenüber Vorjahr gestiegen ist, reduziert. Trifft man die Annahme, dass sich die Rapserzeugung in Kanada nach der Dürre in diesem Jahr 2022 wieder erholt, steigt auch von dort der Druck auf die Preise. Generell stehen die Zeichen an den Ölsaatenmärkten perspektivisch nicht auf Knappheit, rechnet doch das US-Agrarministerium in seinem Marktreport „Wasde“ von Oktober mit einem weltweiten Bestandsaufbau um mehr als 5 Mio. t bei Sojabohnen zum Ende des Wirtschaftsjahres 2021/22.

Dies alles steht natürlich unter dem Vorbehalt, dass größere witterungsbedingte Produktionseinbußen ausbleiben. Mit Blick auf die südamerikanische Sojabohnenernte im 1. Jahresquartal 2022 geht schon das Trockenheits-Gespenst La Niña am Markt um – auch wenn natürlich jetzt noch keiner mit Sicherheit sagen kann, inwieweit das Klimaphänomen dann tatsächlich zum Tragen kommen wird.

Generell profitieren von den derzeit hohen Getreide- und Ölsaatenpreisen zumindest in der Theorie Landwirte und im weiteren Verlauf der Wertschöpfungskette Händler, die zum fraglichen Zeitpunkt noch genügend freie Ware hatten, um aus der Hausse Profit zu schlagen. Immer unter der Bedingung, dass sie Abnehmer finden, die noch nicht genügend günstigeren Raps oder Weizen vorkontrahiert haben. Eindeutig nicht zu den Gewinnern der Hochpreisphase zählen dagegen Schweinehalter, die auf der einen Seite durch historisch niedrige Erzeugerpreise gebeutelt sind und auf der anderen Seite durch teures Mischfutter, da die Notierungen für dessen Komponenten steigen.

Die hohen Energiepreise dürften derweil bei den Agrarhändlern bestenfalls gemischte Gefühle auslösen. Das niedrige Preisniveau für Rohöl im Frühjahr 2020 hatten nämlich einige Kunden genutzt, um sich vorausschauend mit Heizöl einzudecken, worauf in diesem Jahr bereits eine relative Nachfrageflaute folgte. Jetzt, bei der umgekehrten Entwicklung an den Ölmärkten, dürften die Kunden das Portemonnaie erst recht so lange verschlossen halten wie eben möglich.

Auch im Düngemittelgeschäft gibt es aktuell klare Gewinner und Verlierer: Erstere sind Händler, die sich im Vorjahr günstig eingedeckt haben und nun im Weiterverkauf von hohen Margen profitieren. Verlierer sind Landwirte, die extrem hohe Preise zahlen müssen.

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