Steffen Bach über das Fasten

Fleisch ohne Wenn und Aber

Trotz Fastenzeit wird weiter Fleisch gegessen. Das ist nicht schlimm. Es gibt andere Möglickeiten, vor dem Osterfest seine Gewohnheiten zu überdenken.

Der Verzicht auf Fleisch, Alkohol und Süßigkeiten in den sieben Wochen zwischen Aschermittwoch und Ostersonntag ist für die meisten Deutschen kein Thema. Selbst die großen Kirchen rufen heute nicht mehr dazu auf. Stattdessen werden die innere Umkehr und ein verändertes Verhalten in den Mittelpunkt gestellt. Die evangelische Kirche empfiehlt in diesem Jahr zum Beispiel, auf das Lügen zu verzichten.


Es ist erstaunlich, dass der Fleischkonsum das ganze Jahr über kontrovers diskutiert wird, in der Fastenzeit aber keine Rolle spielt. Das großstädtisch geprägte Milieu der Veganer, Vegetarier und Tierschützer ist offenbar so glaubens- und kirchenfern, dass es diese Chance übersieht. Dabei gäbe es durchaus vernünftige Ansätze, in der Bußzeit vor dem Osterfest seinen Fleischkonsum zu überdenken. Viele Deutsche essen zu viel Fleisch, kritisieren Wissenschaftler aus medizinischen Gründen. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt pro Woche 300 bis 600 g Fleisch- und Wurstwaren, das wären 16 bis 32 kg im Jahr. Der aktuelle Fleischverzehr liegt im Durchschnitt mit knapp 60 kg deutlich darüber, was bedeutet, dass einige Konsumenten auch diesen Wert um Einiges übertreffen.

Wer nicht auf seine gewohnte Fleisch- und Wurstration verzichten möchte, könnte die Fastenzeit nutzen, die Art seines Konsumverhaltens zu ändern: nicht immer dem billigsten Angebot hinterherjagen, auf Qualität, Herkunft und Haltungsbedingungen der Tiere achten oder Artikel wählen, die sonst nicht auf dem Speiseplan stehen. Einer der großen Widersprüche in der Debatte im Umgang mit Tieren ist, dass einerseits mehr Respekt vor dem lebenden Mitgeschöpf gefordert, ein großer Teil des Schlachtkörpers aber verschmäht wird. Doch Schweine bestehen nun mal nicht nur aus Schnitzel und Kotelett und ein Masthuhn liefert nicht nur Brustfleisch, sondern hat auch Beine und Flügel. Bei Hausschlachtungen war es früher selbstverständlich, das ganze Schwein zu verwerten. Zungenblutwurst und Schweinesülze wurden genauso gegessen wie Leber, Nieren, Herz und Füße. Die Fastenzeit bietet die Gelegenheit, sich an diese Tradition zu erinnern und das ganze Tier als Lebensmittel zu betrachten. Bis Ostern bleiben dafür noch zwei Wochen Zeit.

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