Steffen Bach zu Bauernprotesten

Unter schwarzer Flagge


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Landwirte in Deutschland haben sich in den vergangenen Tagen über ersehnten Niederschläge gefreut. An der grundsätzlich schlechten Stimmung auf vielen Höfen dürften die nun besseren Aussichten für die Ernte 2020 aber wenig geändert haben. Der in den vergangenen Jahren vollzogene Paradigmenwechsel in der gesellschaftlichen Debatte stößt bei vielen Bäuerinnen und Bauern nach wie vor auf Unverständnis und Ablehnung. Die Forderungen nach mehr Artenvielfalt und Tierwohl sowie weniger Düngemitteln und chemischen Pflanzenschutz werden als unzulässige Einmischung inkompetenter Laien wahrgenommen.



Als freie Unternehmer durften Bauern häufig über Generationen ihre Höfe bewirtschaften, ohne dass ihnen von außen allzu viel hineingeredet wurde. Die zunehmende Bürokratie und Reglementierung, die Verschärfung von Gesetzen und Verordnungen rüttelt bei vielen Landwirten an ihrem grundsätzlichen Verständnis einer bäuerlichen Kultur, die aus sich heraus nachhaltig und verantwortungsbewusst wirtschaftet.

Der Frust auf den Höfen ist also groß. Die Demonstrationen im Herbst haben gezeigt, dass die Wut wächst. Der Deutsche Bauernverband hat dabei seinen Einfluss auf einen Teil des Berufsstandes verloren. Viele Landwirte organisieren den Protest nun selbst. Nicht immer finden sie dabei die geeigneten Mittel. Auf einem Feld in Schleswig-Holstein stellten Landwirte mit 324 Traktoren das Zeichen der Landvolkbewegung nach, einen weißen Pflug, der durch ein rotes Schwert geteilt wird. Der Organisator der Aktion, Jann-Henning Dircks, sieht darin ein Symbol für unsere Gesellschaft. Das Schwert sei „das Messer der Politik und Besserwisser in unserem Land, die versuchen, unsere Heimat zu zerstören“, sagte er im Norddeutschen Rundfunk.

Dass Landwirte heute an die Tradition der in den 20er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts gegründeten bäuerlichen Bewegung anknüpfen, hat in den Medien ein starkes Echo hervorgerufen. Historisch belegt ist, dass einige Mitglieder in Schleswig-Holstein Bombenanschläge auf Landrats- und Finanzämter verübten. Der gewaltsame Widerstand war zwar auch innerhalb der Landvolkbewegung umstritten und beschleunigte ihren Niedergang, ist aber eben auch Teil ihrer Geschichte. Historiker verweisen auch auf die ideologische Nähe zum Nationalsozialismus. Auffällig ist, dass in den Hochburgen der Landvolkbewegung die NSDAP schon Ende der 20er-Jahre überdurchschnittliche Wahlergebnisse erzielte.

Mit ihrer Aktion haben die Initiatoren jedenfalls nicht ihr eigentliches Ziel erreicht, auf ihre Sorgen und Nöte aufmerksam zu machen. Stattdessen wurde – wieder einmal – darüber spekuliert, ob der bäuerliche Protest von rechts unterwandert wird. Die Bauern aus dem hohen Norden störte das offenbar wenig. Auch bei einer Mahnwache von Landwirten in Berlin in dieser Woche war die schwarze Fahne mit dem weißen Pflug und dem roten Schwert zu sehen.

Dass völkisch-nationalistische Parolen auch unter Landwirten auf fruchtbaren Boden fallen können, zeigt die Geschichte der Landvolkbewegung. Wer an diese Tradition anknüpft, muss sich nicht wundern, wenn unter der schwarze Flagge Radikale mitsegeln, die keine Lösungen bieten, aber durch ihre Präsenz dem Ansehen des gesamten Berufsstandes schaden.

7 Kommentare

  1. Gerriet Gerdts
    Erstellt 19. Juni 2020 18:08 | Permanent-Link

    Hallo! Bitte beschäftigen sie sich eingehender mit der Geschichte der Fahne, welche sogar der Verfassungsschutz höchstpersönlich als unbedenklich eingestuft. Es ist ein Spaltungsversuch von außen.
    Mit freundlichen Grüßen
    Gerriet Gerdts
    Heerstraße 9
    27478 Cuxhaven

  2. Albert Franz Klumpe
    Erstellt 19. Juni 2020 22:27 | Permanent-Link

    Sich mit Traktoren mit eingeschalteten Lichtern rund um ein Lagerfeuer zu positionieren - geschehen in Leckermühle im Landkreis Osnabrück erinnerte mich doch sehr an Zeiten, die wir Deutschland wohl besser nicht gehabt hätten. Was soll das dem normalen Bürger den sagen. In Deutschland hat jedermann, also auch die Bauern, das Recht zu demonstrieren. Man darf aber auch den Verstand dabei gebrauchen. Im Januar war ich auf der Grünen Woche in Berlin. Die Deutschen Treckerfahrer waren auch vor Ort. Ein Gespräch ging solange gut, wie man keine kritischen Fragen stellte. Mit dem überheblichen Hinweis, dass man jawohl noch keinen Stall von ihnen gesehen hätte, wurde suf berechtigte Kritik einach nicht eingegangen. Das kann es jawohl auch nicht sein.

  3. EU-Bauer Klaus1618
    Erstellt 20. Juni 2020 09:35 | Permanent-Link

    Wieder einmal mehr beweist eine solche mediale Positionierung Einzelner, wie extrem inhomogen der deutsche Bauernstand nach wie vor im Eigentlichen doch ist, obgleich diese Gruppe nur noch ein marginales Restvölkchen in Reihen unserer Gesellschaft darstellt. Gerade infolge der agrarpolitischen Weichenstellungen jüngster Vergangenheit durchleben wir einen Kannibalismus unter den Bauern innerhalb unserer ländlichen Räume, der seinesgleichen sucht. Ein Strukturbruch vollzieht sich aktuell in einer so brutalen Härte; das radikalisiert gerade viele dieser Hilflosen verständlicherweise ungemein.

    Wer sind übrigens in erster Linie die absoluten Nutznießer der gegenwärtigen Bauernproteste? - Die Bauern selbst!? Ersparen können wir uns diesen notwendigen geistigen Tiefgang jedenfalls nicht, um den wahren Ursachen auf den Grund zu gehen!

    Oligarchen wie Tönnies, Albrecht und Schwarz z.B. sind in nur einer Generation zu Milliardären geworden - wie armselig sieht's demgegenüber auf vielen unserer Bauernkonten aus? Unser Fleischbaron Tönnies installierte dabei für jedermann einseh- und durchschaubar eine menschliche Sklaverei in Reinstform innerhalb unserer freiheitlichen Demokratie, wo niemand augenscheinlich wirklich Anstoß an einer solchen SAUEREI(!) genommen hat, nicht die maßgeblich entscheidungsbefugt in der Verantwortung stehende Politik und auch keine NGOs, die offensichtlich ihre ganze Energie ausschließlich an uns Bauern kontinuierlich in nicht selten schon blindwütiger medialer Kampfesansage abarbeiten ; 120 Nanometer versagen nun allerdings nicht, klagen grausam aufdeckend an, während der Rest sich bislang in kläglichem Totalversagen übte, gerade auch unser GRÜNES GEWISSEN, das stets "wachsame Auge" der NGOs, allen voran selbst PETA, die beißwütig wirklich jeden Bauern gewissenlos vor den Kadi zerren. Muss man letzterer investigativer Klagewut jetzt nicht allerdings auch ein Totalversagen bescheinigen!?

    Unsere verwöhnte Überflussgesellschaft sollte sich schleunigst der ernsten Frage stellen, warum Teile einer durchaus systemrelevanten Berufsgruppe unserer demokratischen Mitte zunehmend den Rücken kehren, um einen derart massiven Rechtsruck zu vollziehen!!!

  4. Andreas H.
    Erstellt 24. Juni 2020 06:50 | Permanent-Link

    Liebe Agrarzeitung,
    es ist wohl eine Geschmacksfrage mit den ganzen Symbolen und Protesten und Ihrem Kommentar kann man unterschwellig entnehmen, dass man nicht glaubt, dass Bauern von Rechten unterwandert werden... Also wird die Geschichte mit dem Symbol von Medien missbraucht um Stimmung gegen einen Berufsstand zu erzeugen...
    Wichtig ist bei dieser Art der "geschichtlichen Aufarbeitung", den NABU nicht zu vergessen. 2019 feierte der NABU 120 jähriges Bestehen und die Zeit von 1933 bis 1945 wurde mit gefeiert, wo man an der Seite von Hitler Juden im Verband ausgeschlossen und Propaganda für die NAZIS gemacht hat.
    Ich wäre der Agrarzeitung unendlich dankbar, wenn man auch mal dieses kritisch beäugt. Oder hat man Angst vor diesen Konzernen der Angstmacher mit ihren medialen Verflechtungen?

  5. Alb9 Klumpe
    Erstellt 24. Juni 2020 12:45 | Permanent-Link

    Geht es noch ekelhafter? Was hat der Bauernverband den zwischen 1933 und 1945 gemacht?

  6. HÖPER Ahrend
    Erstellt 24. Juni 2020 12:50 | Permanent-Link

    Sehr geehrter Herr Stefan Bach, auf dieser Seite der Agrarzeitung findet man zu 99% hoch qualifizierte Journalisten und Kommentatoren. Leider muss ich heute sagen, dass Ihr Beitrag, Dank mangelnder Recherche , nicht zu den 99 % gehört.

  7. Albert Klumpe
    Erstellt 24. Juni 2020 14:20 | Permanent-Link

    na denn ... Man kann nicht alles wissen

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