Steffen Bach zum Schweinemarkt

Die nationale Karte sticht nicht

az
Artikel anhören
:
:
Info
Abonnenten von agrarzeitung Digital können sich diesen Artikel automatisiert vorlesen lassen.

Rewe erntet viel Lob für sein Versprechen, auf deutsche Ware zu setzen. Doch das eigentliche Problem auf dem Schweinemarkt müssen die Erzeuger selbst lösen.

Rewe erntet für seinen Vorstoß, Frischfleisch ab Mitte 2022 fast ausschließlich aus deutscher Produktion anzubieten, viel Lob aus der Landwirtschaft. Gefordert wird nun, dass andere Handelsunternehmen nachziehen. Darüber hinaus wünschen die Erzeuger, dass auch verarbeitetes Fleisch in die Kampagne aufgenommen wird. Und schließlich sollte auch in Gastronomie und Gemeinschaftsverpflegung ausschließlich Schweinefleisch auf den Teller kommen, bei dem die Tiere ihr Leben von der Geburt bis zur Schlachtung in Deutschland verbrachten.
 
Mäster und Ferkelerzeuger dürfen sich nicht der Illusion hingeben, dass eine solche nationale Karte gegen die Preismisere hilft. Einzige Ursache dafür ist das zu große Angebot an Schlachtschweinen, für das der Absatz im In- und Ausland fehlt. Im 1. Halbjahr kamen in Deutschland zwar weniger Tiere an den Haken als von Januar bis Juni 2020. Das Minus resultierte aber ausschließlich aus gesunkenen Importen. Die Zahl der „deutschen“ Schweine stieg sogar um gut 200 000 Tiere.
 
Die Afrikanische Schweinepest (ASP) grassiert seit fast einem Jahr im ostdeutschen Wildschweinbestand – und so lange schon fehlt Exportgeschäft. Nichts deutet darauf hin, dass sich das ASP-Virus schnell aus Deutschland vertreiben lässt. Eine Öffnung des wichtigen chinesischen Marktes ist ebenso wenig in Sicht. Gleichzeitig essen die Deutschen Jahr für Jahr weniger Schweinefleisch. Die Mäster produzieren trotzdem munter weiter. Die bäuerlichen Organisationen werden nicht müde, alle anderen Marktpartner für die in der Tat viel zu niedrigen Preise verantwortlich zu machen. Dabei hätten auch sie es in der Hand, Druck vom Kessel zu nehmen, in dem sie das Angebot der Nachfrage anpassen und weniger Tiere aufstallen.
    stats