Steffen Bach zum Schweinemarkt

In der Fleischbranche geht die Angst um

SB
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In der Fleischwirtschaft wächst die Furcht vor einem weiteren Einbruch der Schweinebestände. Überkapazitäten der Schlachthöfe werden zum Problem.

Die Zahl der Schlachtungen ist in Deutschland innerhalb von fünf Jahren um 25 Prozent zurückgegangen. Die Ursachen dafür sind vielfältig: die deutlich gesunkenen Lebendimporte, der Ausbau der Tierwohlprogramme und das Ausscheiden von Tierhaltern aus der Produktion. Im kommenden Jahr könnten die steigenden Energiepreise dazu führen, dass sich die Talfahrt in einem noch höheren Tempo fortsetzt. Für die Schweinemäster ist es womöglich besser, die Ställe im Winter leer stehen lassen, als weiter Verluste zu machen.

Aktuell gibt es allerdings ganz andere Probleme: Selbst das geschrumpfte Angebot lässt sich angesichts einer schwachen Nachfrage nur mit Mühe auf dem Fleischmarkt unterbringen. Auch die zuletzt gestiegenen Schlachtgewichte deuten darauf hin, dass es auf dem Schlachtschweinemarkt eher Überhänge als Engpässe gibt. Doch die Situation kann schnell ins Gegenteil kippen. Wie weit ein weiter sinkendes Angebot die Erzeugerpreise in die Höhe treibt, wird vor allem davon abhängen, ob der deutsche Bedarf durch Importe aus anderen EU-Staaten gedeckt werden kann. Daran bestehen Zweifel, denn auch in Polen, Belgien, Frankreich und den Niederlanden sinkt die Produktion.

Ob die Konsumenten im Sommer in den Supermärkten vor leeren Kühlregalen stehen werden, wie es der Verband der Fleischwirtschaft (VDF) befürchtet, bleibt abzuwarten. Die Schlachtunternehmen stehen auf jeden Fall vor einer großen Herausforderung. Weniger Schweine bedeutet weniger Auslastung der Produktionskapazitäten. Bisher wird das vor allem dadurch aufgefangen, dass statt in zwei nur noch in einer Schicht gearbeitet wird. Langfristig ist das keine Lösung, denn damit verlieren die Unternehmen international ihre Wettbewerbsfähigkeit. An der Schließung auch von großen Schlachtstätten wird deshalb in Deutschland langfristig kein Weg vorbeiführen.

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