Steffen Bach zum Weizenmarkt

Qualität muss neu definiert werden

SB
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Seit einigen Wochen befinden sich die Weizenpreise im Sinkflug. Franko Hamburg kostet B-Weizen 20 Prozent weniger als vor einem Monat. Dennoch bleibt das Niveau hoch.

 Die Bauern zeigen derweil wenig Interesse, aus der Ernte heraus Ware zu verkaufen. Zunächst werden deshalb in den kommenden Wochen die Organisation der Ernte und die Abwicklung von Kontrakten im Vordergrund stehen. Auch Wetterrisiken – von Hitze bis Hagel – lassen die Landwirte vorsichtig agieren. Erst wenn klar sein wird, welche Mengen und Qualitäten gedroschen wurden, wird das Geschäft wieder anspringen.

Die Gesamtsituation auf dem Weizenmarkt wird angespannt bleiben – völlig unabhängig davon, ob es zu einer Öffnung der ukrainischen Häfen oder gar zu einem Ende des Krieges am Schwarzen Meer kommen wird. Die Ereignisse der vergangenen Monate haben im globalen Handel viel Vertrauen zerstört. Ein Zurück zur Normalität wird es deshalb nicht so schnell geben. Dies betrifft auch den Umgang mit den Weizenqualitäten. Die hohen Preise und die knappe Verfügbarkeit von Stickstoffdünger haben zwar nicht zu der von Experten befürchteten Einschränkung des Weizenanbaus geführt, doch die Proteingehalte könnten gelitten haben. In Deutschland mussten die Bauern bei der Bestandsführung zudem die strengeren Vorgaben der Düngeverordnung berücksichtigen. Auch dies wird zulasten der Proteinwerte gehen.


Sollte tatsächlich mehr proteinschwacher Weizen gedroschen werden, müssen sich Exporteure und Brotmühlen Gedanken machen. Sie können hohe Prämien für Aufmischweizen zahlen oder aber ihre Kunden davon überzeugen, dass der Proteingehalt nicht das alleinseligmachende Kriterium ist. Neue Weizenzüchtungen erlauben es, auch mit niedrigen Werten gutes Brot zu backen. Diese Erkenntnis ist nicht neu, wird von vielen Marktbeteiligten bisher aber ignoriert. Die aktuelle Krise muss deshalb zum Anlass genommen werden, die Weizenqualität differenzierter zu betrachten.

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