Steffen Bach zur Ernte in Niedersachsen

Schlammschlacht

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Wenn die Technik vor der Natur kapituliert, fällt die Ernte ins Wasser.

Die Ernte in diesem Jahr wird vielen Landwirten in Niedersachsen noch lange in Erinnerung bleiben. Im Sommer sorgten Überschwemmungen in den Flussauen für Totalausfälle. Höhergelegene Felder waren so nass, dass sie von den Mähdreschern kaum befahren werden konnten. Unterbrochen von Niederschlägen, zog sich die Weizenernte über Wochen hin und brachte am Ende nur noch Futterqualitäten.

Hoffnungen auf einen goldenen Herbst erfüllten sich nicht. Bis zur Mais-, Kartoffel- und Zuckerrübenernte verschärfte sich die Lage weiter, denn die schon wassergesättigten Böden konnten weitere Niederschläge nicht mehr aufnehmen. Bilder von unter Wasser stehenden Kartoffeläckern, aus denen nur die Dämme herausragen, schafften es bis in die Presse. Im Emsland drohte das Moor einen Kartoffelroder zu verschlingen. Erst nach sechs Tagen konnte die 35 Tonnen schwere Maschine mit einem Spezialkran gehoben werden.

Auch im Mais hatten sich etliche Erntemaschinen festgefahren und konnten nur mit Mühe befreit werden. Wer in diesen Tagen durch Niedersachsen fährt, stellt fest, dass viele Landwirte vor dem Schlamm kapituliert haben. Auf etlichen Flächen steht noch der Mais, auf anderen, die gerade noch geerntet werden konnten, ist an eine Herbstaussaat nicht mehr zu denken.

Der wirtschaftliche Schaden für die Betriebe ist enorm. Statt wie geplant Winterweizen zu drillen, müssen im Frühjahr Anbaualternativen mit deutlich geringeren Erlösen gefunden werden. Die Extremsituation in diesem Jahr facht aber auch die Diskussion darüber an, ob alle Standorte ihren natürlichen Gegebenheiten entsprechend bewirtschaftet werden. In den vergangenen Jahrzehnten sind in trockengelegte Moorgebieten viele Grünlandflächen in Ackerland umgewandelt worden.

Das regenreiche Jahr 2017 zeigt, dass der Ackerbau dort an Grenzen stößt. Es gäbe viele gute Gründe diese Flächen wieder zu Dauergrünland zu machen, leider aber keine wirtschaftlichen. Die aktuelle Diskussion um die Verteilung der Direktzahlungen sollte dazu genutzt werden, den von vielen Seiten gewünschten Erhalt und die Ausweitung des Grünlandes stärker finanziell zu honorieren. Schlammschlachten zur Ernte ließen sich so in Zukunft vermeiden.

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