Steffen Bach zum Jugendreport Ernährung

Transparenz statt Verbote

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15- bis 29-Jährige wollen mit weniger Fleischkonsum das Klima schützen. An die Politik haben sie klare Forderungen.

Jugendliche und junge Erwachsene präsentieren sich beim Thema Ernährung als erstaunlich reife und verantwortungsbewusste Konsumenten. Statt nur über den Klimawandel als existenzbedrohendes Problem zu lamentieren, sind sie durchaus bereit, einen eigenen Beitrag zu leisten, die Treibhausgasemissionen zu senken. Im „Jugendreport zur Zukunft nachhaltiger Ernährung“ präsentiert sich lediglich eine Minderheit als hedonistisch eingestellt. „Ich will jetzt Spaß im Leben haben, ohne über die Folgen nachdenken zu müssen“, sagen gerade einmal 18 Prozent der 15- bis 29-Jährigen.

Für Tierhalter liefert die Studie allerdings beunruhigende Erkenntnisse. Bereits 12,3 Prozent haben den Fleischkonsum komplett eingestellt und weitere 23,8 Prozent bezeichnen sich als Flexitarier, die nur selten oder zeitweilig Fleisch essen. Eine generelle Senkung des Fleischkonsums halten 95,7 Prozent der Befragten für notwendig, wobei etwa eine Halbierung im Raum steht. Gefordert werden außerdem höhere gesetzliche Tierschutzstandards, für die ein etwas höherer Fleischpreis in Kauf genommen wird.

Die Generation ist bereit, selbst Verantwortung zu übernehmen, fordert dabei aber von der Elterngeneration, die – noch – an den Schalthebeln der Macht sitzt, Unterstützung. Erstaunlicherweise verzetteln sich die jungen Leute kaum in kleinteiligen Forderungen. Werbeverbote und höhere Steuern für Fleisch finden ebenso wenig Mehrheiten wie der Veggie-Day. Stattdessen werden mehr Transparenz und Anreize für eine klimafreundliche Ernährung gefordert: Konsumentscheidungen sollen durch verpflichtende Tierwohl- und Klimalabel erleichtert, Obst und Gemüse subventioniert, das vegetarische und vegane Angebot in Mensen und Kantinen verbessert werden.

Den Mitgliedern der Zukunftskommission Landwirtschaft und der Borchert-Kommission sei der „Jugendreport“ zur Lektüre empfohlen. Mit der insgesamt erstaunlich ausgewogenen Sichtweise liefern die Befragten außerdem gute Argumente für eine Senkung des Wahlalters.
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