Steffen Bach zur Kartoffelernte

Der Kampf um die Ware wird härter

SB
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Nach einem heißen und trockenen Sommer werden die Ergebnisse der Kartoffelernte in Europa mit Spannung erwartet. In Deutschland sind die Roder noch unterwegs und für eine abschließende Bilanz ist es deshalb zu früh.

Überrascht zeigten sich deshalb Landwirte, Händler und Industrie, als das Bundeslandwirtschaftsministerium schon in der vergangenen Woche eine Ernteprognose veröffentlichte. Mit 10,3 Mio. t werde die Ausbeute um 9 Prozent kleiner ausfallen als im vergangenen Jahr und den mehrjährigen Durchschnitt um fünf Prozent verfehlen, ließen die Berliner Experten wissen. Im Kleingedruckten fand sich der Hinweis, dass die Prognose auf einer schmalen Basis getroffen wurde. Denn von 56 Prozent der bundesweit 700 Probeflächen hatten noch keine Ertragsmeldungen vorgelegen, hieß es am Ende der Mitteilung. Beim endgültigen Ergebnis könnten sich deshalb noch „deutliche Abweichungen“ ergeben. In der Branche sorgte das Vorgehen des Bundesministeriums für Kopfschütteln. Bei der Kartoffel-Herbstbörse in Hamburg waren sich die Teilnehmer einig, dass die deutsche Ernte auf jeden Fall weniger als 10 Mio. t einbringen wird. Pessimisten glauben, dass es nur 9,3 Mio. t werden – rund eine Million Tonnen weniger, als es das Bundeslandwirtschaftsministerium prognostiziert.

Auch in vielen anderen europäischen Ländern haben die Kartoffelbestände gelitten. Einbußen gegenüber dem Vorjahr werden befürchtet, obwohl die Anbaufläche leicht ausgedehnt wurde. Der europäische Prognosedienst Mars erwartet in einigen wichtigen Anbauländern einen Rückgang der Flächenerträge. Grundlage für die Ertragsprognose ist die aktuelle Beurteilung der Feldbestände. Demnach werden in den bedeutenden Kartoffelländern Spanien, Frankreich, Deutschland, Polen, Rumänien und Belgien teils zweistellige Ertragseinbrüche erwartet. Ausreißer nach oben gibt es dagegen kaum. Lediglich in Griechenland und Litauen werden überdurchschnittliche Erträge erwartet.

Bis die Marktbeteiligten einen besseren Überblick über die verfügbaren Mengen und Qualitäten haben, werden noch einige Wochen vergehen. Die Tendenz ist aber klar. Kartoffeln sind bis zur neuen Ernte in ganz Europa knapp. Entsprechend haben sich die Großhandelspreise für Speisekartoffeln in Deutschland gegenüber dem Vorjahr nahezu verdoppelt. Auch Veredelungskartoffeln werden an der EEX zu deutlich gestiegenen Kursen gehandelt. Für die kommenden Monate erwartet der Handel einen harten Wettbewerb um die Ware. Pommes- und Flockenhersteller, Stärkeproduzenten, Lebensmitteleinzelhandel sowie Kunden aus der Gastronomie und Lebensmittelindustrie müssen ihren Bedarf decken. Für den Kartoffelhandel ist die europaweit knappe Versorgung eine Herausforderung. Regional schwache Ernten gibt es in fast jedem Jahr. Die Defizite in dem einen Land werden dann durch Lieferungen aus Regionen mit überdurchschnittlichen Erträgen ausgeglichen. Das wird in diesem Jahr nicht funktionieren. Stattdessen wird es darauf ankommen, für jede Kartoffel die passende Verwertung und den zahlungskräftigsten Kunden zu finden.

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