Steffen Bach zur Tierwohlkennzeichnung

Höchste Zeit für den großen Wurf

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Mit dem Vorschlag, die Haltungskennzeichnung für Schweinefleisch an das bei Eiern bewährte System anzulehnen, hat Landwirtschaftsminister Cem Özdemir grundsätzlich den richtigen Weg eingeschlagen.

Die grobe Einteilung in fünf Kategorien bietet dem Verbraucher einerseits schnell eine Orientierung, lässt Produzenten und Vermarktern aber auch genug Spielraum für eigene Programme und Marken. Ein Grund für den Erfolg der Eierkennzeichnung war die Verständlichkeit. Unter Käfig-, Boden- und Freilandhaltung kann sich jeder Laie etwas vorstellen. Ob das bei den für die Schweine vorgesehenen Stufen Stall+Platz, Frischluftstall und Auslauf/Freiland auch der Fall ist, muss sich erst noch zeigen. Hier ist sicher noch einiges an Aufklärungsarbeit notwendig.

Eine Lehre muss man aber aus den Erfahrungen mit den Eiern ziehen: Eine Kennzeichnungspflicht, die sich auf das unverarbeitete Erzeugnis beschränkt, führt zu einem geteilten Markt und schwächt die einheimischen Produzenten. Tierwohl findet dann nur im Supermarkt statt, während in Industrie und Gastronomie weiter die billigere Ware aus der niedrigsten Haltungsstufe dominiert, die in der Regel importiert wird. Deshalb ist es entscheidend, dass die Kennzeichnung sofort für alle Vertriebswege vorgeschrieben wird.

Die Absatzmengen im LEH sind zu gering, um allen Erzeugern die Möglichkeit zu bieten, ihre Schweine mit mehr Tierwohl zu vermarkten. Ohne die Einbeziehung des Außer-Haus-Verzehrs und der verarbeiteten Lebensmittel wird die Fleischkennzeichnung nur Stückwerk bleiben. Wenn Politiker nun beschwichtigen, die Kennzeichnungspflicht für Frischfleisch sei nur ein erster Schritt, klingt das wenig vertrauenswürdig. Ähnlich wurde vor 20 Jahren bei den Eiern argumentiert – mit dem bekannten Ergebnis. Wer flächendeckend mehr Tierwohl fordert, muss auch den flächendeckenden Absatz des Tierwohlfleischs unterstützen. Alles andere wäre Heuchelei. Jetzt ist die Gelegenheit für den großen Wurf, auf den die Schweinehalter mit wachsender Ungeduld warten.
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