Steffen Robens über die Bayernwahl

Opfelsoft für Bayerns Bauern

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Die Bayernwahl ist vorbei und nun stellt sich die Frage, mit wem die CSU zusammenarbeiten wird. Derzeit sieht es nach den Freien Wählern aus. Die können mit einem Agrarexperten aufwarten.

So richtig überrascht kann niemand sein. Die CSU, die Bayern bisher als ihren Privatbesitz angesehen hat, bekam eine historische Ohrfeige und kann nicht mehr alleine regieren. Mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit könnte der Landwirtschaftsminister also in naher Zukunft nicht mehr Michaela Kaniber heißen. 

Bei einer Koalition mit den Grünen gäbe es eine komfortable Mehrheit im Landtag. Allerdings sind die inhaltlichen Differenzen derart groß und die beiden Parteien sich spinnefeind. So ist diese Konstellation unwahrscheinlich. Aufgrund der Art und Weise wie die CSU mit den anderen Parteien umspringt, ist auch eine Koalition mit der SPD unwahrscheinlich. Selbst bei der Frage, warum die CSU so schlecht abgeschnitten hat, kann der bayerische Ministerpräsident Markus Söder es nicht lassen, einzig auf die Bayern-SPD zu verweisen, die ja immerhin genauso viel verloren habe. Von Selbstreflektion keine Spur. So mancher von uns hat ja gelernt, nicht nachzutreten, wenn der Gegner am Boden liegt. Die CSU beherzigt solche Regeln nicht.  

Eine Koalition mit den Freien Wählern würde ganz knapp funktionieren. Die Freien Wähler, ein Zusammenschluss von Lokalpolitikern und CSU-Abtrünnigen, die mit Lokalbrille Landespolitik zu betreiben versuchen, sind wertemäßig eigentlich nah an der CSU. Dieser Zusammenschluss könnte für die Bauern von Vorteil sein. Denn die Freien Wähler verfügen mit ihrem Bundes- und Landesvorsitzenden Hubert Aiwanger über einen, der vom Fach ist. Er ist studierter Agraringenieur und Ferkelerzeuger. Steht da womöglich der nächste Agrarminister vor der Tür? Die Landwirtschaft würde von ihm wohl eher profitieren als von der gelernten Steuerfachangestellten Kaniber – auch wenn die akustisch die angenehmere Erscheinung ist.

So müsste die Tagesschau bei Übertragungen von Aiwanger künftig Untertitel einblenden, weil außerhalb von Niederbayern kein Mensch den „Opfelsoft“, wie er spöttisch genannt wird, versteht. Seinen Ursprung hat die Bezeichnung in Aiwangers eigentümlicher Aussprache des Wortes Apfelsaft. Auch steht der Niederbayer im Ruf, im Zweifel erst zu sprechen und danach zu denken. Das zeigen nicht zuletzt die Twitter-Skandale, nach denen er seinen Account wegen der Anhäufung von Blondinen-Witzen löschen musste.

Zwei große und drei kleine Ministerien – das wäre Aiwangers Preis für eine Beteiligung an der Regierung. Das posaunte er gleich am Wahlabend heraus. Glücklicherweise werden wir mit der Auflösung der Geschichte nicht allzu lange warten müssen. Denn im Gegensatz zu Berlin muss in München vier Wochen nach der Wahl die Regierung stehen. Das wird wohl zeitlich nicht ausreichen, um sich an eine Sprache zu gewöhnen, deren einziger Vokal der Buchstabe „O“ ist.

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