Technik Talk mit Dieter Dänzer

Allzeithoch und gute Aussichten

Dieter Dänzer
privat
Dieter Dänzer

Beim Rückblick auf das vergangene und den Ausblick in das neue Jahr zeigt sich, dass die Landtechnikbranche gut durch die Corona-Krise kommt. Doch bei aller Euphorie gib es auch Risiken.

Bevor ich zu den bemerkenswert erfreulichen Landtechnikbranchenrück- und -ausblicken komme, möchte ich Sie ganz herzlich darum bitten, sich aus aktuellem Anlass an unserer Online-Umfrage zum Informationsverhalten zu beteiligen. Durch Ihre Teilnahme helfen Sie, Produkte und Dienstleistungen an Ihre Bedürfnisse anzupassen. Ausgewählte Ergebnisse werden Ihnen in einem der kommenden Technik Talks und in der agrarzeitung sowie auf landwirt.com vorgestellt.

Deutschlands Landtechnikhersteller glänzen mit Allzeithoch

Wie der VDMA Landtechnik vor kurzem mitteilte, haben die in Deutschland produzierenden Landmaschinen- und Traktorenhersteller in 2020 mit einer Steigerung von fünf Prozent auf neun Milliarden Euro einen neuen Umsatzrekord aufgestellt. Ein wesentlicher Grund für den guten Lauf der Landtechnikbranche war laut dem Branchenverband die positive Entwicklung der Getreidepreise, die zwischenzeitlich ein Zehnjahreshoch erreichten. Gezielte staatliche Investitionsanreize zur Förderung klima- und umweltfreundlicher Produktionsprozesse in der Landwirtschaft hätten die Kauflaune der Landwirte und Lohnunternehmer in Europa und den USA zusätzlich verbessert. Vergessen explizit zu erwähnen wurden in der Pressemitteilung aber auch noch andere Sondereffekte wie die Mehrwertsteuerreduzierung in Deutschland oder generell die Angst der Landwirte und Lohnunternehmer was die Geldwertstabilität betrifft. Am stärksten davon profitiert hätten die Traktoren mit einer Umsatzsteigerung von elf Prozent, gefolgt von der Dünge- und Pflanzenschutztechnik.

Trotz des schwächelnden Pfund infolge des Brexits – der zu einer Eintrübung der Investitionslaune der britischen Landwirte führe – rechnet der VDMA Landtechnik im laufenden Jahr mit einem weiteren Wachstum. Es wird ein Plus von fünf Prozent prognostiziert – nicht zuletzt, weil die Investitionsförderungspolitik des Bundes in Form der so genannten „Bauernmilliarde“ wie ein Sonderkonjunktur-Programm hierzulande auf die Branche wirke. Hinzu komme, dass Donald Trump quasi als Abschiedsgeschenk eines der größten Agrar-Konjunkturpakete in der amerikanischen Geschichte geschnürt habe. Mit rund 37 Milliarden US-Dollar wäre das Subventionsvolumen dreimal so hoch wie sonst üblich.

Dieses gewaltige US-Konjunkturpaket dürfte auch der Hauptgrund sein, warum AGCO und CNH Industrial so positive Prognosen für das laufende Jahr abgegeben haben in Verbindung mit ihren Veröffentlichungen der 2020er-Geschäftsberichte. Bei beiden Landtechnik-Schwergewichten präsentierten im Übrigen jeweils neue Chief Executive Officer (CEO) die Zahlen. Bei AGCO mit Eric Hansotia, der bereits vor über einem Jahr bekannt gegebene designierte Nachfolger in allen Funktionen des zum Jahresende ausgeschiedenen Martin Richenhagen als Chairman, President und CEO. Die Ernennung von Scott W. Wine zum CEO von CNH Industrial als Nachfolger des im Februar letzten Jahres geschassten Hubertus Mühlhäuser und der Interimslösung Suzanne Heywood erfolgte dagegen erst im November. Wirksam wurde diese zum 4. Januar 2021 – Wine kam von Polaris Inc., wo er seit 2013 Chairman und CEO war.

Eric Hansotia hatte im Übrigen Ende Januar für ein kräftiges Branchenraunen gesorgt, als er diverse Änderungen und Ergänzungen seines Führungsteams gekannt gab:  

  • Robert Crain wird Senior Vice President des neu gebildeten Customer Experience-Teams.
  • Seth Crawford – er kam wie Eric Hansotia von John Deere – hat die neue Rolle des Senior Vice President Precision Ag und Digital übernommen.
  • Kelvin Bennett folgt dem ausgeschiedenen Dr. Helmut Endres als Senior Vice President Engineering.
  • Tiffany Snyder, Vice President Strategie und Transformation, gehört nun ebenfalls zum Senior-Team.
  • Zwei Mitgliedern des Senior-Teams wurde zusätzlich die weltweite Verantwortung für die Kernmarken von AGCO übertragen: Torsten Dehner ist als Senior Vice President und General Manager für die EME-Region nun außerdem für die Marken Fendt, Valtra und Challenger, der General Manager Südamerika, Luis Felli als Senior Vice President zusätzlich für die Marke Massey Ferguson verantwortlich.

AGCO hat 2020 positiv abgeschlossen dank starkem vierten Quartal in Europa

AGCO hat für das vierte Quartal 2020 einen Nettoumsatz von rund 2,7 Milliarden US-Dollar ausgewiesen, eine Steigerung von 8,1 Prozent gegenüber dem vierten Quartal 2019. Wobei die Geschäfte in den einzelnen Regionen sehr unterschiedlich gelaufen sind: in Nordamerika war der Umsatz rückläufig mit minus 10,2 Prozent, respektive 55 Millionen Dollar. Die anderen drei Regionen konnten dagegen alle zulegen – Südamerika mit plus 21,1 Prozent, EME mit plus 13,7 Prozent und APA mit plus 2,1 Prozent. Die prozentualen Steigerungen lassen jedoch nicht erkennen, dass die Umsatzsteigerungen von Südamerika mit rund 47 Millionen Dollar und der APA-Region mit rund fünf Millionen Dollar zusammengerechnet nur etwa einem Viertel des EME-Plus von 207 Millionen entsprechen.  

Der Nettoumsatz für das Gesamtjahr 2020 belief sich auf rund 9,1 Milliarden US-Dollar, eine Steigerung von 1,2 Prozent gegenüber 2019.

Für das Jahr 2021 prognostiziert AGCO ein Umsatzwachstum auf über 10,2 Milliarden US-Dollar. Dies sei auf verbesserte Verkaufsmengen, Preise und eine positive Währungsumrechnung zurückzuführen. Die Brutto- und Betriebsmargen sollen sich ebenfalls verbessern, dank der Auswirkungen höherer Umsatz- und Produktionsmengen sowie Initiativen zur Margenverbesserung.

CNH Industrial erwartet Boost in 2021

Dass mit plus 17 Prozent in der Landtechniksparte (von 2,9 auf 3,4 Milliarden Dollar) im Konzernvergleich mit AGCO sogar noch stärkere vierte Quartal, konnte CNH Industrial jedoch nicht zu einem Umsatzwachstum in 2020 verhelfen. Mit 26,0 Milliarden Dollar wurde der Vorjahresumsatz von 28,1 Milliarden Dollar klar verfehlt. Wobei in der Landtechniksparte mit über 10,92 Milliarden Dollar annähernd der 2019er-Umsatz von 10,96 Milliarden Dollar erreicht werden konnte. Die Sparten Baumaschinen (minus 21,6 Prozent auf 2,17 Milliarden Dollar), Nutzfahrzeuge (minus 9,8 Prozent auf 9,42 Milliarden Dollar), Antriebe (minus 11,9 Prozent auf 3,63 Milliarden Dollar) und Finanzdienstleistungen (minus 9,3 Prozent auf 1,82 Milliarden Dollar) mussten dagegen ganz schön Federn lassen.

Laut CNH Industrial sei das Interesse an Landtechnik im vierten Quartal 2020 in den meisten Regionen gestiegen. So sei in Nordamerika die Nachfrage nach Traktoren unter 140 PS um 27 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum gestiegen – bei Traktoren über 140 PS waren es 17 Prozent. Die Nachfrage nach Mähdreschern sei hingegen um ein Prozent zurückgegangen. In Europa stiegen die Traktoren- und Mähdreschernachfrage um sieben beziehungsweise um 22 Prozent. In Südamerika legten die Traktorennachfrage um 29 Prozent und die nach Mähdreschern um 22 Prozent zu. Auch im Rest der Welt sei ein deutlicher Anstieg der Nachfrage nach Traktoren zu verzeichnen gewesen, während das Interesse an Mähdreschern unverändert geblieben sei.

Der Ausblick des Unternehmens für 2021 geht von einer fortschreitenden Verbesserung der wirtschaftlichen Bedingungen aus, da sich Bevölkerung und Märkte an die neuen Umstände unter der Pandemie anpassten. CNH Industries rechnet laut eigenem Bekunden für 2021 mit einem Nettoumsatz, der um acht bis zwölf Prozent über jenem aus dem letzten Jahr liegt.

Wobei Sie liebe Leserinnen und Leser sich wohl wie ich auch fragen, wie CNH Industrial diese Umsatzprognose denn realisieren will, wenn gleichzeitig die Ausgliederung der Nutzfahrzeugsparte weiter vorangetrieben werden soll. Und weil wir gerade bei auftauchenden Fragen sind: nachdem AGCO ja die weltweite Markenverantwortungsaufteilung auf zwei Personen verlautbart hatte, erreichten mich diverse Anrufer, die beispielsweise darüber spekulierten, ob denn AGCO nun anstrebe das MF-Business auszugliedern oder eine weitere Markenkonsolidierung anstrebe. In der EME-Region habe man ja schließlich Challenger bereits vom Markt genommen. Und last but not least kann man sicher auch die optimistische VDMA-Prognose mit einem großen Fragezeichen versehen – zumindest was den Inlandsmarkt betrifft. Wenn das vom Kabinett am Mittwoch auf den Weg gebrachte Insektenschutzpaket tatsächlich Gesetz wird, dann werden über eine Million Hektar aus der intensiven Produktion genommen. Hinzu kommt, dass selbst wenn sich die Getreidepreise auf dem momentan hohen Niveau stabilisieren oder sie sogar steigen sollten, die Fleisch- und Milchpreise nach wie vor nicht kostendeckend sind. Den Branchenoptimismus weitgehend mit der „Bauernmilliarde“ zu begründen könnte sich im Übrigen auch als Trugschluss erweisen, schließlich sollen in 2021 für die drei Förderbereiche zusammen nur 207 Millionen zur Verfügung gestellt werden. Dass die Zulassungsrallye bei den Traktoren unverändert weiter geht – im Januar wurden im Vergleich zum Vorjahresmonat mit 2.230 Einheiten 21 Prozent mehr neu registriert – stützt allerdings die Prognose wiederum ab.

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