Katja Bongardt über Palmölfreiheit

Wie viele Logos noch für die Milch?

Der nächste Ernährungstrend ist für Mladen Jarnjak eine ausgemachte Sache: palmölfreie Milch. Gewiss hat der Chef des kroatischen Futtermittelunternehmens Fanon ein gewisses Eigeninteresse das zu behaupten.

Schließlich will er sein palmfettfreies Ergänzungsfuttermittel verkaufen. Für ihn aber ist Palmöl definitiv das neue GVO. "Über GVO-freie Milch haben sie anfangs auch gelacht, besonders die Molkereien im Norden. Jetzt machen sie es selbst", so Jarnjak.

Vielleicht rollt tatsächlich der nächste Trend von Süden herauf. Ein Blick in Richtung Schweiz lässt das vermuten. So erklärten die Mischfutterfabrikanten in der Schweiz im Schulterschluss mit dem Schweizer Bauernverband bereits 2017, auf den Einsatz von Palmölprodukten verzichten zu wollen. In dieser Woche haben die Einwohner des Heimatlandes von Nestlé, der Konzern, der seit Jahren mit Anti-Palmölkampagnen umzugehen hat, den Ausschluss von Palmöl aus den Freihandelsabkommen mit Malaysia und Indonesien verlangt. Auch der deutsche Futtermittelhersteller Schaumann stellt bereits fest, dass immer mehr Molkereien Futterkomponenten aus europäischer Herkunft erwarten - sprich unter anderem frei von Palmöl sind. 

So können sich die Gestalter von Milchtüten wohl darauf einstellen, bald weiteren Platz für ein neues Logo schaffen zu müssen. Das "Schützt-den-Regenwald-Logo" hat sich dann einzureihen zwischen Angaben wie Heumilch, Ohne Gentechnik, Mit Futter aus Europa, Laktosefrei, Bio, Fettgehalt xy, Länger haltbar, etc. Denkbar wäre auch noch: Kalb durfte bei Mutter bleiben, Mit Hörnern. Irgendwann muss die Innenseite der Milchtüte für all die Mehrwertinformationen herhalten. 

Abgesehen einmal davon, wie sinnvoll es für die Tierernährung ist, pansengeschützte Fette auszutauschen, stellt sich die Frage, wie man bei der wachsenden Logoflut den Überblick behalten soll. Erschwerend hinzu kommt, dass der Wunsche nach Laktose-, GVO- und anderen Freiheiten ein ziemlich deutschsprachiges Phänomen ist und sich diese Vorreiterrolle eher selten auf andere Märkte übertragen lässt. 

Orientierung fehlt aber nicht nur dem Verbraucher. Auch für den Milchbauern wird die Entscheidung, wie denn nun zu produzieren ist, sprich: bei welchem Programm er noch mitmachen soll, nicht leichter. Es ist ja schön, dass sich Molkereien etwas zur Veredelung ihrer Milch einfallen lassen, damit sie nicht allein als No-Name-H-Milch endet. Aber die Frage ist, auf wessen Rechnung das geschieht. Die Schweizer Landwirtschaft jedenfalls hat nach einem Jahr Erfahrungssammeln die Mehrkosten aus dem Palmölbann überschlagen: Auf die Erzeuger kamen Mehrkosten von umgerechnet rund 1,5 Mio. € zu. 

Gut, dass Rinder Pflanzenfresser sind. Das verhindert einen möglichen weiteren Trend: Milch von der Vegetarier-Kuh.

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