Stefanie Pionke zu subventionskritischen Australiern

Verkehrte Welt

Am anderen Ende der Welt ticken nicht nur die Uhren anders. Auch die Bauernfunktionäre in Australien legen eine Mentalität an den Tag, die kaum gegensätzlicher zur Einstellung der hiesigen Landwirts-Präsidenten sein könnte.

Sie fühle sich durch das Bild des „heruntergewirtschafteten, von Almosen abhängigen Landwirt“, das von vielen Medien transportiert werde, herabgewürdigt. So wetterte Fiona Simson, Präsidentin des australischen Bauernverbandes, unlängst gegen Dürrehilfen des Staates. Die Landwirtschaft brauche keine Subventionen; man solle sich nur anschauen, was die staatlichen Hilfsgelder mit der australischen Autoindustrie angerichtet hätten, fügte die Bauernpräsidentin hinzu. Im Herbst 2017 rollte nämlich das letzte Auto aus dem letzten verbliebenen Autowerk des Landes vom Band. Das Ende eines ganzen Industriezweiges, der zuvor nur aufgrund der staatlichen Förderung überlebensfähig war.

Auch Tim Burrow vom Agrarwirtschaftsverband Agribusiness Australia sieht rot angesichts der Berichte über zahnlückige Fünfjährige, die ihr Taschengeld spenden, um Futter für hungernde Lämmer zu kaufen. Oder Rentner, die sich Geld vom Mund absparen, um Heu für strauchelnde Kleinbauern zu kaufen. Diese Darstellungen seien „vollkommen überzogen und aus dem Ruder gelaufen“, schimpft Burrow in der Zeitung The Australian. Er möchte lieber das Bild einer modernen, profitstarken Industrie gezeichnet wissen, als das von Kleinbauern, die unter dem Dürre-Joch ächzen. Der Verbandschef hat dabei auch ausländische Investoren im Blick, die weiter Milliardenbeträge in die australische Landwirtschaft stecken sollen.

Wie schmerzfrei ist doch dagegen die Agrarwirtschaft hierzulande! Wir erinnern uns: Zur Spitzenzeit der medialen Dürre-Manie machte die Milliarde an Soforthilfe, die Bauernpräsident Joachim Rukwied vom Staat als Unterstützung für gebeutelte Landwirte forderte, ordentlich Schlagzeilen. Landwirtschaft und Subventionen gehören in Europa eben zusammen wie Topf und Deckel. Zwar gibt es auch Bauern, die Fördermittel kritisch sehen. Doch gehören sie längst nicht dem Mainstream an, den die Spitzen konventioneller Landwirtschaftsverbände repräsentieren.

Neben Bauernfunktionären schimpfen auch politische Kommentatoren „Down under“ über die Hilfen von Vater Staat, der immerhin eine Milliarde australische Dollar (rund 630 Millionen Euro) Soforthilfen und eine weitere Milliarde für zinsverbilligte Kredite lockermachen will. Die Nothilfe ermutige Bauern, „deren Höfe zu klein sind, die nicht über die notwendige Ausbildung verfügen oder das überlebensnotwendige Kapital, sich weiter durchzuwursteln statt aufzugeben“, zitiert die FAZ in dieser Woche den politischen Kommentatoren Ross Gittins.

Auch derart scharfe Töne wären hierzulande bei aller Kritik an Sinn und Unsinn der EU-Agrarsubventionen undenkar. Wird doch im öffentlichen Diskurs eher die vermeintliche Kleinbauern-Romantik beschworen. Wer sich für ein Höfesterben zugunsten der gut ausgebildeten Manager so genannter Agrarfabriken aussprechen würde, dürfte wohl einen Shitstorm der Sonderklasse als Dankeschön ernten.

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  1. Eberhard Hepp
    Erstellt 4. September 2018 20:25 | Permanent-Link

    Die Subventionen gehören eingestellt. Nicht nur bei der Landwirtschaft, auch die Industie wird gehörig gesponsert. Das sieht man beim Zollamt beim Gasölantrag wie viele Vergünstigungen
    es gibt. Unsere Politiker sind nicht in der Lage, sich gegen die Industrie durchzusetzen(Auto,
    Pharama). Auch das Kastrierproblem gehört dazu. Deshalb : Alle wirklich alle
    Subventionen steichen !!

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