Trotz der großen Hitze und Trockenheit im Juni können die bayerischen Landwirte mit einer durchschnittlichen Getreideernte von rund 6,8 Mio.t rechnen. Diese Einschätzung gab der bayerische Landwirtschaftsminister Helmut Brunner (CSU) bei der diesjährigen Erntepressefahrt in Weßling, Landkreis Starnberg. Allerdings sind auch Schäden zu verzeichnen: Vor allem bei Weizen und Raps auf flachgründigeren Böden. Außerdem sei der Weizen von der Hitzewelle erwischt worden, bevor er ganz reif war, so Hermann Greif vom Bayerischen Bauernverband (BBV). Er geht von einer unterdurchschnittlichen Ernte mit sehr breiter Variabilität je nach Region und Boden aus.

Qualitäten stimmen

Sehr positiv präsentieren sich wiederum die Qualitäten. „Ich erwarte insgesamt gute Proteingehalte und gut gefüllte Körner mit hohen Gewichten“, sagte Greif. In der BBV-Ernteumfrage spiegelt sich diese Einschätzung wider: 50 Prozent der Teilnehmer gehen von einer „durchschnittlichen“ Erntemenge aus, 27 Prozent von einer „guten“ oder sogar „sehr guten“, nur 23 Prozent erwarten eine niedrige Weizenernte. Im vergangenen Jahr wurden etwas mehr als 7 t/ha geerntet; das 5jährige Mittel liegt bei guten 7,5 t/ha. Trotz eines Rückgangs von 10000 ha auf 489000 ha bleibt Winterweizen die wichtigste Getreideart im Freistaat.

Landwirte sorgen sich um Raps

Beim Raps erwartet Greif ein Ergebnis, das unter dem Durchschnitt der vergangenen Jahre liegt. Die Fläche wurde von 111.200 ha im Vorjahr auf 115.000 ha ausgedehnt. Krankheiten und Schädlinge traten kaum auf. 
Aus Norddeutschland gibt es hingegen immer mehr Katastrophenmeldungen. Seit dem vergangenen Wochenende ist die Rapsernte in ganz Deutschland zum Erliegen gekommen. Der Dauerregen stoppt die Ernte. Die Erträge sind sehr heterogen. Aus Mecklenburg-Vorpommern berichten Landwirte von großen Auswuchs-Problemen in den Beständen.


Bayerische Wintergerste über Schnitt

Die Ernte von Wintergerste wurde in Bayern mit überdurchschnittlichen Erträgen abgeschlossen. Sowohl Auswinterungsschäden als auch Krankheitsbefall waren gering. In diesem Jahr könnte der Ertrag etwas höher sein als im Vorjahr. Damals wurden im Schnitt rund 7 t/ha geerntet. Im 5jährigen Mittel wurden rund 6,5 t/ha eingebracht. Die Anbaufläche ist um etwa 13000 ha auf gut 227000 ha gesunken. In der Ernteumfrage des Bayerischen Bauernverbands (BBV) bewerteten zwei Drittel der Teilnehmer die Wintergerstenernte mit „sehr gut“ oder „gut“. Bei der Sommergerste hat sich dagegen der jahrelange Abwärtstrend umgekehrt. Die Anbaufläche ist um etwa 7500 auf fast 99000 ha gestiegen. Es werden überdurchschnittliche Erträge und gute Qualitäten erwartet.

Für die Entwicklung an den internationalen Warenbörsen sei die Stimmung in den USA und Südamerika entscheidend, ergänzte Greif. Diese schlage sich vielmehr als das reine Ernteergbnis auf Währungskurse nieder. Dies spüren auch die bayerischen Bauern. (HH/az)


stats