Besorgter Blick nach England


Das Ergebnis der britischen Weizenernte gibt Anlass zu Spekulationen. Die Börse in London zieht kräftig nach oben.

Der Futterweizenfuture an der Londoner Liffe steigt seit Juli fast ununterbrochen. Am Dienstag hat die Notierung mit 206,50 brit. Pfund/t den höchsten Stand seit 14 Monaten erreicht. Umgerechnet in Euro stand der Kurs am Dienstag bei mehr als 261 €/t. Agrimoney.com berichtet von Diskussionen unter europäischen Händlern, dass die britische Weizenernte herabgestuft werden könnte. Möglicherweise werden statt der Vorjahresernte in Höhe von 15,3 Mio. t in diesem Jahr mindestens 1 Mio. t weniger oder sogar nur 14 Mio. t gedroschen.  Großbritannien ist hinter Frankreich und Deutschland drittgrößtes Weizenerzeugungsland in der EU.

Grund für die Spekulationen ist die Druschverzögerung. Bis Mitte der Vorwoche waren erst 5 Prozent der Weizenflächen geräumt. Seither sind die Mähdrescher bei hochsommerlichen Temperaturen zwar vorangekommen. Aber die bisher bekannt gegebenen Erträge von 5 bis 10,8 t/ha mit starken Ausschlägen der Qualitäten rufen die Pessimisten auf den Plan.

Den Bullen Nahrung gegeben haben auch die Ankündigungen, dass die beiden Ethanolfabriken des Landes die Produktion wieder hochfahren wollen. Ensus und Vivergo, beide im Nordosten der Insel gelegen, können jährlich jeweils etwa 1 Mio. t Weizen verarbeiten. Im Wirtschaftsjahr 2011/12 waren sie nicht in Betrieb. Dennoch war die Weizenbilanz nach vorläufigen Zahlen des Agrarministeriums Defra eng. Die Saison hatte mit Weizenvorräten auf historisch niedrigem Niveau geendet, obwohl die britische Weizenernte 2011 mit knapp 15,3 Mio. t ein überdurchschnittliches Ergebnis gebracht hatte. (db)
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