Ernte 2016

Britische Erträge unter Durchschnitt


Der Wintergerstendrusch ist in England weit fortgeschritten. Bis Mitte voriger Woche war er im gesamten Vereinigten Königreich nach den Angaben des Branchenverbandes AHDB zu 35 Prozent abgeschlossen. Im Internet melden Farmer, dass sie bis Sonntag weiter vorangekommen sind, allerdings örtlich unterbrochen von heftigen Schauern.

AHDB berichtet aus dem Südwesten, dem Südosten und den weiteren Regionen entlang der Ostküste, dass überwiegend Erträge wischen 6,0 und 6,8 t/ha eingebracht worden sind – bei einer Spanne von 5,0 bis 8,0 t/ha. Der Fünfjahresdurchschnitt für britische Wintergerste beträgt 6,8 t/ha, sodass in diesem Jahr höchstwahrscheinlich ein unterdurchschnittliches Ergebnis zu erwarten ist.

Leichte Wintergerste, verunkrauteter Raps

Auffallend ist 2016 das recht geringe Hektolitergewicht der Wintergerste, das AHDB bisher auf durchschnittlich 57 kg/hl schätzt, bei einer Spanne von 48 bis 63 kg/hl. Eine Besonderheit ist in diesem Jahr auch, dass auf leichten Böden höhere Erträge eingebracht werden als auf den schweren Böden. Grund sind vermutlich die heftigen Regenfälle im Juni, die auf den schweren wasserhaltigen Böden zu Staunässe oder auch Lager geführt haben.

Raps war bis zur Wochenmitte landesweit etwa zu 15 Prozent gedroschen war. Er hat bisher meist 2,9 bis 3,5 t/ha gebracht, bei einer Spanne von 2,5 bis 4,7 t/ha. Der Fünfjahresdurchschnitt beträgt bei Raps 3,6 t/ha. AHDB berichtet, dass der Rapsdrusch häufig durch eine starke Verunkrautung mit Ackerfuchsschwanz, Disteln und Klettenlabkraut behindert wurde.

Weizen lädt zu Spekulationen ein

Zu den Ertragsaussichten im Weizendrusch äußert sich der Branchenverband AHDB bisher nicht. Der EU-Prognosedienst MARS hatte vor einer Woche für das Vereinigte Königreich einen Weizenertrag von 8,1 t/ha vorausgesagt, der damit leicht über dem fünfjährigen Durchschnitt liegen würde. Völlig anderer Ansicht sind die Analysten von Offre et Demande Agricole (ODA) in Paris, die auch für Frankreich zurzeit unter allen Marktbeobachtern die niedrigsten Erträge erwarten. ODA-Direktor Didier Nedelec hat am Freitag die gesamte EU-Weichweizenernte auf nur noch 134 Mio. t geschätzt – unter anderem mit der Begründung, dass im Süden Englands niedrigere Erträge zu erwarten sind. Dagegen steht die Prognose der EU-Kommission, die auf Basis der von MARS geschätzten Erträge die Weichweizenernte 2016 am Freitag auf mehr als 144 Mio. t angesetzt hat. (db)
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