Ernte 2016

Britische Gerste durchwachsen


„Es ist nicht gerade die beste Gerste“, sagt ein Landwirt.
-- , Foto: angieconscious/pixelio
„Es ist nicht gerade die beste Gerste“, sagt ein Landwirt.

Der Wintergerstendrusch läuft in ganz England auf Hochtouren, allerdings bei leicht wechselhaftem Wetter mit wiederholten lokalen Schauern. Farmers Weekly berichtet aus den Regionen, dass zur Wochenmitte im Zentrum des Landes Sturm und Hagel einige erntereife Rapsbestände regelrecht ausgedroschen und abreifende Weizenbestände umgelegt haben.

Magere bis ordentliche Ergebnisse

Sonst melden die Landwirte nach den Berichten von Farmers Weekly sehr unterschiedliche Ergebnisse der Gerstenernte, die vor allem auf den besseren Ackerbaustandorten im Südwesten und Südosten weit fortgeschritten ist. Die Ertragsspanne reicht von 5,5 bis 8,0 t/ha, die Angaben zum spezifischen Gewicht von mageren 55 bis ordentlichen 65 kg/hl. Häufig ist zu hören, dass die Ergebnisse etwas enttäuschen, aber kein Desaster seien. „Es ist nicht gerade die beste Gerste“, sagt etwa ein Erfassungshändler in der Grafschaft Kent.

Ähnlich sind die Kommentare zu den ersten Rapspartien, die seit der Wochenmitte von den Feldern geholt werden. Als „nicht brillant, aber okay“ bezeichnet ein Landwirt im Südosten das Ergebnis. Er meldet bei Farmers Weekly einen Ertrag von 3,5 bis 3,6 t/ha – seine Hoffnungen hätten allerdings bei 4 t/ha gelegen. Im Südwesten, wo der Rapsdrusch noch nicht begonnen hat, heißt es: „Wir erwarten nichts Großartiges, allenfalls ein Durchschnittsergebnis“.

Kaltes Frühjahr, trüber Juni

Bisherige Erwartungen UK
  Ertrag '16, t/ha  +/-  '15,
%
Weizen 8,1 -9,9
Wintergerste 6,9 -10,1
Sommergerste 5,7 -5,6
Raps 3,5 -0,5

Quelle: MARS Juni 2016
Dass die Erträge in Großbritannien in diesem Jahr im Vergleich zum Vorjahr zurückgehen werden, ist wenig überraschend. Zum einen hat das Erntejahr 2015 ungewöhnlich hohe Erträge gebracht, sodass die Messlatte hoch liegt. Zum anderen war das aktuelle Erntejahr von einigen ungünstigen Witterungsbedingungen gekennzeichnet. Dazu gehörten in Großbritannien – wie auf dem Festland auch – ein ungewöhnlich langes und kaltes Frühjahr sowie ein ausgesprochen sonnenarmer Juni. Außerdem hatte der milde Winter gerade in der Gerste den Befall mit Gelbverzwergungsvirus begünstigt.

Für die Weizenerträge verheißen die Witterungsbedingungen ebenfalls nichts Gutes. Die Kornfüllung war vielerorts nicht optimal. Häufig hat es auch zur Blüte geregnet. Im Südosten Englands kursieren bereits Schätzungen, dass die Weizenerträge im Vergleich zum Vorjahr um 15 Prozent oder noch mehr sinken könnten. Der EU-Prognosedienst MARS war in seiner Juni-Schätzung für das Vereinigte Königreich von einem Rückgang um 10 Prozent ausgegangen (siehe Tabelle).

Verbreitetes Risiko durch Fusarium

Zum Fusariumbefall des Weizens in der Blüte hat der Branchenverband AHDB Mitte Juli die Ergebnisse seines landesweiten Monitorings veröffentlicht. Es schätzt das Risiko ab, dass zu hohe DON-Werte im Erntegut zu finden sind. Danach besteht bei 10 Prozent Winterweizen ein schwaches Risiko, bei 73 Prozent Winterweizen ein mittleres Risiko, bei 17 Prozent ein hohes Risiko und bei 1 Prozent sehr hohes Risiko. Die höheren Werte hat AHDB stärker im Süden und Osten des Landes festgestellt. (db)
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