Bullen und Bären an den Agrarrohstoffmärkten


Die Bullen unter den privaten Analysten bescheinigen den Getreide- und Ölsaatenpreisen weiteres Aufwärtspotenzial. Gemäßigte Stimmen mahnen zu Bedacht.

Geht es nach der Commerzbank, haben die Preise für Weizen, Mais und Sojabohnen an den Agrarbörsen die Spitzen gesehen. Behalten die Schätzer von Barclays Capital recht, erholen sich die Preise für genannte Produkte an der Chicago Board of Trade bald wieder und haben sogar noch Luft nach oben.

Die Hamburger Analysten von „Oil World“ erwarten zunächst hohe Preise für Sojabohnen und –schrot. Ab Januar bis Juni sollen dann die herannahenden südamerikanischen Rekordernten für Entspannung sorgen.

Die Analysten von Barclays Capital begründen ihre Erwartung an festere Mais-, Weizen- und Sojabohnenpreise in Chicago mit nachlassendem Erntedruck in den USA, berichtet der Informationsdienst agrimoney.com. Die Nachfrage Chinas nach Sojabohnen werde voraussichtlich rege bleiben, die Bestände in Südamerika seien auf einem niedrigen Niveau. Die Dürre in den wichtigen Sojaanbaugebieten Südamerikas in diesem Jahr bei weiter gutem Exporttempo hat den Bestandsabbau dort beschleunigt.

Bei Mais seien die US-Vorräte niedrig; die zuletzt hohen Preise hätten die Nachfrage nicht in ausreichendem Maße gedämpft, um einem deutlicherem Bestandsabbau entgegenzuwirken, heißt es weiter von Barclays Capital.

In den Vereinigten Staaten gehen Mais- und Sojabohnenernte zügig voran. „Oil World“ berichtet von überraschend guten Erträgen bei Soja, mahnt aber zur Vorsicht vor zu viel Euphorie, da trotz zügigen Fortschritts ein Großteil der Ernte noch nicht eingebracht sei. Dennoch halten die Analysten nach aktueller Einschätzung eine Aufwärtskorrektur im nächsten Wasde-Report des USDA für die US-Sojaernte um 2 Mio. t für möglich.

Dr. Michaela Kuhl, Rohstoffanalystin bei der Commerzbank in Frankfurt, hält zwar kurzfristige Preisanstiege für möglich, in der Langfristbetrachtung sieht es anders aus. „Die Preisspitzen haben wir aber erst einmal gesehen“, sagte sie zu agrarzeitung.de. Erwartungen an sehr gute Sojaernten in Brasilien und Argentinien und eine besser als erwartete Produktion in den USA dieses Jahr würden für Entspannung sorgen – vorausgesetzt, das Wetter auf der Südhalbkugel spiele mit.

Da die Versorgungsbilanzen bei Weizen, Mais und bei den Ölsaaten eng seien, erwartet Kuhl ein „weiter hohes Preisniveau“ an den Agrarmärkten – „auch wenn zunächst keine neuen Höchststände in Sicht sind“. (pio)
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