Ernte und USDA-Zahlen konkurrieren um Aufmerksamkeit


Vor dem neuen Wasde-Bericht am morgigen Mittwoch führt der Handel vorsichtig Position. Die deutsche Ernte bleibt aber im Fokus des Interesses am hiesigen Getreidemarkt.

Die erwartbare Tendenz – Abwärtskorrektur bei den US-Mais- und Sojabohnenerträgen – ist grundsätzlich schon im derzeitigen Preisniveau enthalten, lauten Einschätzungen im deutschen Getreidehandel zu den neuen Zahlen, die das US-Agrarministerium USDA für morgen angekündigt hat. Die Frage bleibt, in welchem Umfang das USDA den Markterwartungen an Abwärtskorrekturen Rechnung tragen wird.

Legt das Ministerium eine konservative Prognose mit geringeren Ertragsreduktionen als erwartet vor, halten Verarbeiter und Erfassungshändler für Getreide- und Ölsaaten eine Korrektur nach unten an den Börsenplätzen in Chicago und Paris übereinstimmend für möglich.

Die absoluten Bullen an den Getreidemärkten sehen die US-Maiserträge eher bei 140 bushel je acre, denn bei den 166 bushel je acre, die das USDA in seinem Vormonatsbericht noch unterstellt hat. Das viel beachtete private Analystenhaus Informa Economics hatte erst kürzlich rund 154 bushel je acre angesetzt.

Die Sojabohne leidet zwar auch unter der Hitze in den Anbaugebieten im Mittleren Westen der USA. Sie kann aber nach Einschätzung US-amerikanischer Farmer noch Potenzial aufholen, wenn es in der Ertragsbildungsphase Ende Juli/Anfang August ausreichend regnet.

Das leichte Minus, mit dem die Weizen- und Rapskurse an der Matif in Paris den heutigen Handelstag begonnen haben, wird hierzulande als technische Reaktion gewertet. Nach den Aufwärtsbewegungen der vergangenen Tage wolle manch einer verständlicherweise „Kasse machen“, heißt es dazu aus dem Handel.

Die deutsche Getreideernte bleibt im Fokus des Interesses, insbesondere die Frage, wieweit die Deckung der Mischfutter- und Mühlenindustrie zum Anschluss an die neue Ernte reicht. Gesprächspartner aus dem nordwestdeutschen Handel bezeichnen die Deckung beider Industriezweige als knapp und stellen bereits Frühlieferprämien in Aussicht. Die Mühlen betrachten sich als gut versorgt – wenn die Frühdruschgebiete im Osten, Norden und Rheinland um die 31., 30. beziehungsweise 32. Kalenderwoche mit der Weizenernte beginnen.

B-Weizen, franko Hamburg, schnelle Ware, wird aktuell mit rund 245 €/t bewertet. B-Weizen, franko Hamburg, Basis September, wurde am Dienstag dem Vernehmen nach in der Spitze mit 253 €/t gehandelt und heute Mittag mit rund 250 €/t bewertet. Kürzlich ist dem Vernehmen nach eine größere Menge physisches Geschäft an Gerste nach Hamburg gelaufen für den Export.

Hoch angesetzt ist derzeit weiterhin der Raps. Erzeuger im Südosten berichten von kleineren Geschäften ex Ernte zu rund 503 €/t ab Hof. (pio)
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