Die Finanzmärkte schicken die Agrarnotierungen an den Börsen auf Talfahrt. Der deutsche Handel stellt sich die Frage nach der Überhitzung.

Gesprächspartner aus dem Großhandel sehen das aktuelle Minus sowohl bei Weizen als auch bei Raps an der Matif am Montagmittag eher als „Delle“ denn als nachhaltige Abwärtskorrektur. Grund: Von fundamentaler Seite sind die Agrarpreise weiterhin gestützt.

Am Montag haben vorübergehend die Finanzmärkte das Ruder für die Agrarkurse übernommen. In der Euroschuldenkrise gerät der Wackelkandidat Spanien wieder stärker ins Blickfeld der Anleger. Damit einher geht ein Minus quer durch alle Börsenplätze und Anlageklassen.

Schwindendes Vertrauen in den Euroraum zieht aber auch eine Schwäche des Euro nach sich. Die Gemeinschaftswährung notierte am Morgen auf dem schwächsten Stand seit mehr als zwei Jahren.

Das, analysieren Gesprächspartner aus dem Hamburger Markt und die französischen Analysten von Agritel übereinstimmend, macht europäisches Getreide im internationalen Handel wettbewerbsfähiger. So habe Frankreich in den vergangenen Tagen größere Mengen an Weizen für den Export kontrahiert, auch in Deutschland, sagen Hamburger Händler.

Sowohl im physischen Geschäft mit Getreide als auch mit Raps verbannt die Preisdelle zum Wochenanfang die Abgeber an die Seitenlinie. „Das liegt daran, dass kein Verkäufer aktuell von einer nachhaltigen Schwäche ausgeht“, sagt ein Händler aus dem Süden zu agrarzeitung.de.

Im Mittleren Westen der USA setzt Hitze den Mais- und Sojabeständen nach wie vor zu. Private Wetterdienste berichten zwar von einem Tief aus Kanada, das gegen Ende der Woche Teile der US-Anbaugebiete erreichen könnte. Doch in dem Zusammenhang mögliche Niederschläge dürften allenfalls als „Tropfen auf dem heißen Stein“ wirken. (pio)
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