Ernte 2017

Fast jede Partie hat ein Manko

Die Hektolitergewichte beim Weizen lassen zu Wünschen übrig.
-- , Fotos: mrs
Die Hektolitergewichte beim Weizen lassen zu Wünschen übrig.

„Fast jede Partie hat ein Manko", lautet die Einschätzung zur Qualität der deutschen Brotgetreideernte, die Stefan Klose am Mittwoch in Frankfurt am Main vor Landwirten aus der Wetterau äußerte. Der Leiter des Rohwareneinkaufs der Frankfurter Hildebrandmühlen berichtete von hohem Reinigungsaufwand, den die Mühlen betreiben müssen, um vermahlungsfähige Partien zu erhalten. Das gelte nicht nur für seinen Standort in Frankfurt, sondern auch für die anderen Mühlen, die Brotgetreide aus Deutschland beziehen.

Hektolitergewichte unter dem Standard

Zwei Qualitätseigenschaften bereiten den Mühlen nach Aussage von Klose besonders Sorgen. Seit Beginn der Ernte werden in den Mühlenlaboren niedrige Hektolitergewichte bei Weizen festgestellt. Häufiger erreichen sie nicht den Standard von 76 kg/hl. Der mittlere Wert der bisher erfassten Weizenpartien liegt nach Kloses Angaben nur bei 75,8 kg/hl.

Rapide bergab geht es seit Erntebeginn außerdem mit den Fallzahlen von Roggen und Weizen. Klose geht davon aus, dass sich die Qualitätswerte noch verschlechtern. „Was in den vergangenen zwei Wochen geerntet worden ist, lässt nichts Gutes erwarten", sagte er in Frankfurt. Betroffen seien zahlreiche hessische Landwirte, aber noch schlimmer schätzt der der Mühlenfachmann die Situation in Niedersachsen ein, wo er persönlich am vorigen Wochenende Weizenpartien besichtigt hat, die noch auf dem Feld standen. „Der Weizen leuchtete in allen Farben, die wir aber als Mühle nicht sehen wollen", brachte Klose sein Entsetzen zum Ausdruck.

Frankreich nutzt seine Chancen

Mittlerweile beobachtet Klose, dass deutsche Mühlen zunehmend Weizen in Frankreich einkaufen. Dort ist 2017 wieder eine Weizenernte von guter Qualität eingebracht worden und die Franzosen nutzen alle Exportchancen, die sich bieten. Dagegen sieht es für deutschen Weizen im Export weniger gut aus. Während sich deutsche Mühlen nach Kloses Beobachtung bei den Hektolitergewichten flexibel zeigten, hätte A- und B-Weizen mit Werten unter 77 kg/hl an den Häfen wenig Chancen. (db)
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