Ernte 2016

Frankreichs Exportchancen schmelzen


Das Büro des amerikanischen Landwirtschaftsministeriums (USDA) in Paris hat die Schätzung für die französische Weizenernte um 5 Mio. t nach unten gesetzt. Bislang hatte das USDA 40 Mio. t Weizen erwartet, darunter gut 38 Mio. t Weichweizen und knapp 2 Mio. t Hartweizen. Nach der aktuellen Herabschätzung errechnet sich eine Ernte von um die 33 Mio. t Weichweizen. Besser sieht es beim Durum aus, der vorwiegend im Südwesten des Landes angebaut wird. Dort gibt es in diesem Jahr keine nennenswerten Probleme zur Ernte.

Kleine Körner fallen durch den Mähdrescher

Die widrigen Wetterbedingungen, angefangen mit Überschwemmungen im Mai über einen anhaltend bedeckten Himmel im Juni bis zu wiederholten Starkregenfällen im Juli betreffen vor allem die Hauptanbaugebiete für Weichweizen im Zentrum und Nordosten Frankreichs. Es könnte sogar sein, so Xavier Audran vom Pariser USDA-Büro, dass die Ernteschätzung für Weichweizen weiter abgesenkt werden muss. Denn verbreitet soll der Weizen so kleinkörnig sein, dass ein Teil der Ernte durch die Mähdreschersiebe fällt. Weiterhin berichtet Audran von niedrigen Hektolitergewichten, zum Teil problematischen Fallzahlen und geringen Eiweißwerten. Schließlich lauert über all dem noch das Risiko höherer DON-Werte, zu denen es allerdings noch keinerlei Aussagen gibt.

Analysten: „Es ist eine Katastrophe"

Ähnliche Berichte kommen in dieser Woche von französischen Analystenbüros. Didier Nedelec, Direktor von Offre et Demande Agricole (ODA), geht sogar nur von einer Ernte von 30 Mio. t Weichweizen aus. Die Analysten von Tallage nennen aktuell 32,4 Mio. t. Sie haben außerdem am Dienstag eine Schätzung der französischen Weichweizenexporte in Drittländer von nur 7,0 Mio. t veröffentlicht. In der Saison 2015/16 hatte Frankreich noch 12,8 Mio. t Weichweizen außerhalb der EU-Grenzen verkauft. „Es ist eine Katastrophe", fasst Gabriel Omnes von Tallage seine Eindrücke zur diesjährigen Ernte zusammen. Da sie auch noch zu allem Überfluss zwei Wochen später hereinkommt als üblich und die Erfassungshändler mit der Separation beschäftigt sind, sprechen Händler bereits von der Notwendigkeit, kurzfristig Weizen vom Schwarzen Meer zu importieren. In Rumänien und Bulgarien soll eine Rekordernte gedroschen worden sein.

Auch das USDA-Büro rechnet mit geringeren französischen Weizenexporten. Außerdem haben weitere EU-Büros ihre aktualisierten Einschätzungen gemeldet. Zusammen genommen könnte die EU demnach in der Saison 2016/17 rund 30,5 Mio. t Weich und Hartweizen exportieren. Vor zwei Wochen hatte das USDA in seinem Wasde-Report für die EU noch eine um 3,5 Mio. t höhere Menge von 34,0 Mio. t genannt. (db)
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