Ernte 2016

Frankreichs Misere bestätigt


Drei Behörden schätzen

Die staatlichen Agenturen France AgriMer und Arvalis sowie die Statistikabteilung des Agrarministeriums (Agreste) haben Ergebnisse des Mähdruschs zusammengetragen. Sie bestätigen die bisherigen Meldungen und Einschätzungen von Landwirten, Handelsunternehmen  und Analysten zur sehr schwachen Ernte.  Alle am Freitag veröffentlichten Einschätzungen zu Mengen und Qualitäten von Weizen, Gerste, Raps und Erbsen sind vorläufig und können noch revidiert werden. (db)

Die Weizenernte ist im Süden Frankreichs nach den ersten Analyseergebnissen der Labore von Arvalis, das die Qualitäten feststellt, mit anständigen Erträgen und guter Qualität abgeschlossen worden. Dort stimmen Hektolitergewicht und Proteinwerte. Nördlich der Loire, wo sich die Hauptanbaugebiete für Weizen befinden, fangen aber die Probleme an. Die Erträge dort sind im Mittel deutlich niedriger und sehr unregelmäßig. France AgriMer bezeichnet die Lage zum Teil als „katastrophal“, wenn örtlich die Erträge bis auf die Hälfte des Fünf-Jahres-Durchschnitts oder in Extremfällen noch niedriger abfallen.

Fallzahlen bisher im Rahmen

Ebenfalls geringer als sonst – mit großen Ausschlägen – sind die Hektolitergewichte. Als Grund nennt Arvalis die verminderte Kornzahl pro Ähre und schwach ausgebildete Körner. Wahrscheinlich als Folge der geringen Kornzahl pro Ähre stuft das Institut aber den Proteingehalt als „sehr hoch“ ein. Er übersteigt oft 12 Prozent. Eine gute Nachricht hat Arvalis außerdem: die Fallzahlen der bisher gedroschenen Partien liegen im Rahmen. Aber die Werte können sich natürlich für die noch zu dreschenden Schläge deutlich verschlechtern, so die französischen Experten. Jetzt komme es auf die getrennte Erfassung und gute Aufbereitung der Chargen an, um handelsfähige Partien oder mühlengeeigneten Weizen zu erhalten.

Ernterückgang regional sehr unterschiedlich

Allmählich klärt sich das Bild: Die französische Ernte enttäuscht auf der ganzen Linie.
-- , Foto: Arvalis
Allmählich klärt sich das Bild: Die französische Ernte enttäuscht auf der ganzen Linie.
Die Ernteschätzung für Weichweizen liegt bei 29,1 Mio. t. Gemessen an der Rekordernte 2015 fehlen 29 Prozent. Im Vergleich zum Fünfjahresmittel sind es 21 Prozent weniger. Der Durchschnittsertrag beträgt in diesem Jahr 5,6 t/ha. Er ist so niedrig wie zuletzt vor 30 Jahren. In diesem Jahr sind die regionalen Unterschiede erheblich. Während im Süden etwa 10 Prozent weniger als im Vorjahr gedroschen worden ist, schätzt France AgriMer den Rückgang im Westen auf etwa 20 Prozent und in den Departements im Nordosten auf  35 bis 44 Prozent. Die Durumernte 2016 fällt landesweit ebenfalls zurück auf 1,4 Mio. t nach 1,8 Mio. t im Vorjahr.

Winterbraugerste mit zu viel Protein

Für Wintergerste lauten jetzt die Schätzungen, dass die Erzeugung 2016 auf 7,8 Mio. t fallen könnte. Das wären 22 Prozent weniger als im Vorjahr, aber immerhin etwas mehr als im Fünfjahresdurchschnitt. Die diesjährigen Hektarerträge könnten 5,8 t/ha erreichen, nach 7,3 t/ha im Jahr 2015. Auffallend bei Wintergerste sind die niedrigen spezifischen Gewichte und schwachen Sortierungen. Bei den Sorten, die als Winterbraugerste angebaut worden sind, sind nach Angaben von Arvalis die Proteinwerte häufig mit mehr als 11,5 Prozent zu hoch. Sommergerste bringt 2016 rund 2,4 Mio. t. Hier beträgt der Rückgang zum Vorjahr 20 Prozent und zum Fünfjahresdurchschnitt 26 Prozent. Der Durchschnittsertrag 2016 liegt bei 5,4 t/ha (Vorjahr 6,6 t/ha).

Sehr niedrige Rapsernte, Totalausfälle bei Erbsen

Die Rapsernte brachte enttäuschende Erträge. Agreste schätzt einen nationalen Durchschnittsertrag von 3,0 t/ha, woraus sich eine Ernte 2016 von insgesamt nur noch 4,5 Mio. t ableitet. Im Vorjahr waren es 5,3 Mio. t gewesen. Sehr frustrierend ist das Ergebnis der französischen Erbsenernte, die dieses Jahr auf größerer Fläche gewachsen ist. Die französischen Fachleute berichtet von „historisch niedrigen“ Erträgen. Die Spanne reicht von Totalausfällen bis 3,0 t/ha. Die Gesamtproduktion 2016 wird auf rund 460.000 t geschätzt. Vor einem Jahr waren es noch 660.000 t gewesen.

Maisernte auf Vorjahreshöhe

Schließlich hat Agreste die erste Schätzung zur Maisernte veröffentlicht. Körnermais könnte mit 13,7 Mio. t wieder die gleiche Menge bringen wie im Vorjahr. Das ist allerdings auch keine euphorische Aussicht, weil es sich vor einem Jahr um eine eher kleine Ernte gehandelt hat. Deswegen würde die aktuell geschätzte Erntemenge etwa 13 Prozent geringer als der Fünfjahresdurchschnitt ausfallen. (db)
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