Ernte 2016

Gemischte Gefühle in Polen


Der Drusch ist in Polen in vollem Gange. Erstes Getreide ist eingebracht.
-- , Foto: Przemysław Jahr
Der Drusch ist in Polen in vollem Gange. Erstes Getreide ist eingebracht.

Der Wintergerstendrusch war in Polen schnell beendet, denn die Kultur hat wegen der generellen Auswinterungsgefahr keine große Bedeutung. Die Anbaufläche beträgt lediglich rund 200.000 ha. Und tatsächlich sind im Januar 2016 auch zahlreiche Bestände erfroren. So ist keine große Menge zu erwarten. 

Rapserträge enttäuschen

Raps ist zurzeit die wichtigste Druschfrucht. Julius Młodecki, Präsident des nationalen Rapsanbauverbandes KZPRiRB, weist auf die ungünstigen Bedingungen für Raps hin. Nach zu trockener Aussaat wuchsen die Pflanzen im Herbst zügig, waren dann aber im Januar vielerorts Kahlfrösten ausgesetzt. Tierische Schädlinge verminderten die Ertragsanlagen weiter. Młodecki geht davon aus, dass Landwirte selbst in den am besten geführten Beständen mit 4 t/ha mehr als zufrieden sein müssen. Sehr viel niedriger sind die Erträge in den von Trockenheit betroffenen Gebieten im Norden. Dort fallen die Rapserträge bis auf 2 t/ha ab. Der EU-Prognosedienst MARS hat am Montag für Polen einen voraussichtlichen Rapsertrag 2016 von 2,6 t/ha genannt. Er läge 8 Prozent unter dem Vorjahresergebnis und 6 Prozent unter dem mehrjährigen Durchschnitt.

Weizenqualität in Ordnung

Die längere Trockenphase im Mai und Juni hat in weiten Teilen Polens allerdings auch Gutes bewirkt. Anders als in Westeuropa war in Polen der Krankheitsdruck meist geringer. Jetzt, wo im Zentrum und Osten Polens der Weizendrusch anläuft, berichten Landwirte im Internetportal farmer.pl von überwiegend guter Weizenqualität. Das gilt für die Proteinwerte und die Fallzahlen. Preis der Trockenheit ist allerdings, dass die Sortierungen schwächer ausfallen. Und die Erträge sind auch nicht üppig. MARS hatte am Montag für Polen einen voraussichtlichen Weizenertrag 2016 von 4,3 t/ha genannt. Er läge 7 Prozent unter dem Vorjahresergebnis und 4 Prozent unter dem mehrjährigen Durchschnitt. In dieses schwächere Ergebnis geht auch der recht hohe Anteil Sommerweizen ein. Landwirte hatten nach den Auswinterungen umfangreich nachgesät. Diese Bestände reifen nach den Berichten von farmer.pl zum Teil ungleichmäßig ab.
Jetzt steht außer Weizen der Drusch von Roggen und Sommergerste an. Die Wetteraussichten sind durchwachsen. Hitze und sonniges Wetter sollen abgelöst werden durch Stürme mit Starkregen.

Konkurrenz aus der Ukraine

Generell beunruhigt die Landwirte der Preisdruck. Wiktor Szmulewicz, Präsident des Nationalen Rates der Landwirtschaftskammern, argwöhnt, dass Weizen aus der Ukraine die Situation verschärft. Gerade im Südosten des Landes vermutet er Schmuggelware. Das Agrarministerium in Warschau hat am Montag berichtet, dass bereits Mitte Juli die Agrarmarktagentur und das Finanzministerium ihre Außenstellen angewiesen haben, das System zur Überwachung der Einfuhr von Getreide zu verstärken, mit besonderem Schwerpunkt auf die Grenze zur Ukraine. (db)
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