Gigantische Weizenkäufe bewegen Börse kaum


Mit schwachen Veränderungen starten die Weizenpreise in Paris in den Handelstag. Über das Wochenende haben maßgebliche Importeure kräftig zugeschlagen.

Am Mittag schwanken die Mahlweizenkurse an der Matif in Paris zwischen einem schwachen Minus und einem leichten Plus. Zwischen 263 und 263,75 €/t notiert der Fronttermin November am Mittag. Impulse aus Chicago fehlen, da dort die Börse wegen des Feiertages „Labor Day“ (Tag der Arbeit) in den USA geschlossen hat.

Über das Wochenende haben sowohl Saudi-Arabien als auch Ägypten umfangreiche Importgeschäfte für Weizen getätigt. Saudi-Arabien erteilte Analysten- und Händlerberichten zufolge 575.000 t Weizen mit 12,5 Prozent Protein aus der Europäischen Union, Australien und Nord- und Südamerika den Zuschlag.

Ägypten hat nach Auskunft des dortigen staatlichen Weizeneinkäufers insgesamt 355.000 t Weizen aus Russland, der Ukraine und Rumänien zur Lieferung im Zeitraum 11. bis 20. Oktober erstanden. Mit 240.000 t stellt Russland den Löwenanteil, aus der Ukraine stammen 55.000 t und aus Rumänien 60.000 t. Die Preise für die russische Ware bewegen sich in einer Spanne von 321,50 bis 323,41 US-$/t fob (entspricht rund 255,75 bis 257,27 €/t). Unter anderem kam der Schweizer Rohstoffgigant Glencore mit 120.000 t Weizen aus Russland zum Zuge.

Dass die russische Regierung am vergangenen Freitag keine Äußerungen zu möglichen Eingriffen in den Exportmarkt getroffen hat, hat zwar vor dem Wochenende die Börsen belastet. Zum heutigen Montag weisen die Rohstoffanalysten der Commerzbank aber darauf hin, dass am Markt angesichts deutlich eingeschränkter Ernte- und Exportaussichten weiterhin Unsicherheit besteht. Das dürfe nach wie vor die Preise stützen. 

Der norddeutsche Großhandel beobachtet in dem Zusammenhang aufmerksam die Ausfuhrlogistik in Russland. Sie könnte angesichts der aktuell hohen Exportvolumina an ihre Grenzen stoßen, sagten Marktteilnehmer im Gespräch mit agrarzeitung.de. Insgesamt bekräftigen hiesige Händler nach wie vor die Einschätzung, dass Russlands Exportüberschuss bei Weizen bis Jahresende erschöpft sein dürfte.

Die Mühlen halten sich derzeit mit Einkäufen zurück, wie agrarzeitung.de aus dem süddeutschen Handel erfuhr. Geschäft laufe vor allem in Richtung der Exporthäfen und nach Italien. Während an den Nord- und Ostseestandorten Qualitätsweizen gefragt sei, schlage Italien vor allem bei B-Weizen zu. Händler erwarten, dass die Mühlen ab Oktober/November wieder am Markt sein könnten. Die Landwirtschaft verspürt keinen Druck zu vermarkten, ist aber bei guten Preisen abgabebereit. B-Weizen, franko Hamburg, Basis September, liegt am Montag bei 265 bis 266 €/t.

Rapssaat an der Matif zeigt sich mit gut 519 €/t freundlich. Am physischen Markt ist aber nach Angaben aus dem Großhandel wenig los. Die Ölmühlen seien bis Dezember versorgt, die Prämien auf die Matif-Kurse geraten daher etwas unter Druck. Auch die Landwirtschaft hat dem Vernehmen nach schon die meisten noch nicht vorkontrahierten Restmengen aus der Ernte verkauft. (pio)
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