In Polen wächst Optimismus

In Polen entwickeln sich die Erträge von Getreide besser als erwartet. Möglicherweise wird die Ernte gar nicht so schlecht. Den Bedarf decken kann sie aber vermutlich nicht.

Es bestünden Chancen, dass die Landwirte fast so viel dreschen wie im Vorjahr, sagte Polens Landwirtschaftsminister Marek Sawicki am Mittwoch in Warschau gegenüber der Presseagentur PAP. Alles hänge davon ab, wie sich die Bedingungen in den kommenden Wochen entwickeln.

Bislang, so Sawicki, habe das Wetter die polnischen Landwirte allerdings „nicht verwöhnt". Er erinnerte an umfangreiche Auswinterungen, auf die in vielen Regionen Polens eine ausgedehnte Frühjahrstrockenheit folgte. Mittlerweile habe jedoch die Vegetation kräftig aufgeholt, betonte der Minister. Das gelte vor allem nach den Niederschlägen der vergangenen Tage.

Als mögliche Erntemenge 2012 nannte Sawicki 26,7 Mio. t Getreide. Im Vorjahr hatten die polnischen Landwirte mit 26,8 Mio. t nur unwesentlich mehr gedroschen. Beide Ergebnisse entsprechen etwa dem langjährigen Mittelwert. Damit wäre die Ernte 2012 wesentlich größer als erste pessimistische Prognosen, die in einer weiten Spanne zwischen 22 und 25 Mio. t angesiedelt waren.

Die jetzt prognostizierte Ernte kann jedoch den Bedarf nicht ganz decken. Den polnischen Getreideverbrauch 2011/12 beziffert das Ministerium auf 27,4 Mio. t. Das bedeutet, dass Polen in dieser Saison auf Nettoimporte von etwa 600.000 t Getreide angewiesen war.

In dieser Größenordnung könnte sich der Importbedarf bei der aktuellen Ernteschätzung auch 2012/13 bewegen, es sei denn, der Verbrauch würde deutlich eingeschränkt werden. Ein kleiner Rückgang ist nach Einschätzung des Agrarministeriums möglich, weil die polnischen Schweinemäster die Bestände verringert haben. (db)
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