In Österreich fehlt Getreide

Österreichs Getreideernte enttäuscht. Ein hoher Zuschussbedarf zeichnet sich ab. Lediglich Qualitätsweizen gibt es genug.

Ohne Mais beträgt die österreichische Getreideernte 2012 nach Schätzungen der Agrarmarkt Austria (AMA) kaum mehr als 2,3 Mio. t. Das ist nach den statistischen Erhebungen die niedrigste Menge seit mehr als 40 Jahren. Gegenüber dem Vorjahr beträgt der Rückgang 28 Prozent. Lediglich Körnermais wird voraussichtlich ordentliche Erträge bringen. Einschließlich Mais könnte die Getreideernte nach aktueller Prognose rund 4,6 Mio. t erreichen. Dieses Ergebnis wäre 19 Prozent kleiner als im Vorjahr.

Gerste und Weizen als wichtigste Getreidearten enttäuschen besonders. Sie waren am Wochenende weitgehend gedroschen. Wintergerste hat eine große Ertragsspanne zwischen 2 und 7 t/ha, Sommergerste von 1 bis 4,5 t/ha gebracht. Zusammen sind nach der ersten Schätzung 530.000 t Gerste gedroschen worden, 38 Prozent weniger als im Vorjahr. Von der wenigen Sommergerste sind nach Angaben der AMA maximal 40 Prozent braufähig, der Rest weist zu hohe Eiweißgehalte auf. Deswegen zeichnet sich in Österreich Zuschussbedarf für Braugerste ab.

Hohe Eiweißwerte kennzeichnen auch den österreichischen Weizen. Die AMA schätzt, dass rund 60 Prozent als Premium- und Qualitätsweizen mit mindestens 14 Protein eingestuft werden. Bei den früh gedroschenen Partien überzeugen die Hektolitergewichte und Fallzahlen. Diese Werte könnten nach einigen Regentagen zur Ernte bei den später reifen Weizensorten abgefallen sein. Die AMA rechnet 2012 insgesamt mit einer Menge von rund 1,3 Mio. t Brot- und Qualitätsweizen. Auch wenn sie 26 Prozent geringer als im Vorjahr ausfällt, soll sie sowohl für österreichische Mühlen als auch für den Export nach Italien ausreichen.

Die gesamte österreichische Getreideernte von rund 4,6 Mio. t kann allerdings den Inlandsverbrauch von etwa 5,4 Mio. t nicht decken. In einer ersten Bilanz schätzt die AMA für 2012/13, dass die österreichischen Getreideexporte knapp 1,0 Mio. t umfassen werden. Demgegenüber stehen Importe von 1,7 Mio. t. Gebraucht werden vor allem Braugerste, Futtergetreide und Getreide für die Bioethanolfabrik der Agrana AG in Pichelsdorf.

Zu den Exporten berichtet das Wiener Agrarische Informationszentrum AIZ, dass österreichischer Mahlweizen aus der neuen Ernte zurzeit in Italien nachgefragt wird. Erstes Interesse registriert das AIZ in Italien auch für Premiumweizen. Allerdings läuft dieses Geschäft erfahrungsgemäß erst nach den Augustferien richtig an. (db)
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