Im Moskauer Agrarministerium kalkulieren die Fachleute das mögliche Exportpotenzial. Im Zentrum steht die Frage, ob die Vorräte reichen.

Mittlerweile rechnen die Analysten im russischen Landwirtschaftsministerium offenbar damit, dass die Getreideexporte in dieser Saison eine Marke von 15 Mio. t überschreiten könnten. Dann würden sich die Vorräte bis zum Beginn des neuen Wirtschaftsjahres 2013/14 auf bis zu 6 Mio. t abbauen, heißt es in einer Stellungnahme aus dem Ministerium. Sollte jedoch die Getreideverfütterung in Russland eingeschränkt werden, könnten die Endbestände auch höher ausfallen.

Bisher war aus Moskau als offizielles Exportziel für diese Saison eine Menge zwischen 10 und 12 Mio. t Getreide genannt worden. Bisher sind bereits 11 Mio. t am Weltmarkt verkauft worden. Immer wieder taucht deswegen die Frage auf, ob - oder wann - die Regierung die Exporte bremst. Vorerst sieht es nicht danach aus. Marktbeobachter kommentieren, dass Russland als neues WTO-Mitglied möglicherweise nicht das erste Land sein will, das Getreideexporte verbietet und damit Handelspartner verärgert.

Vor allem Ägypten als großes Weizenimportland reagiert empfindlich, wenn die Lieferanten nicht mehr als zuverlässig gelten. Das spürt gerade die Ukraine. Dort stehen zum 1. Dezember Exportbeschränkungen im Raum. Daraufhin hat die Kairoer Einkaufsagentur GASC angedeutet, in einem solchen Fall die Ukraine für das gesamte Jahr 2013 als Weizenlieferant von seiner Liste zu streichen. Bestätigt sind bis heute allerdings weder Exportbegrenzungen seitens der Regierung in Kiew noch Maßnahmen der GASC.

In Russland versucht die Regierung unterdessen, die Versorgung der Mühlen und Mischfutterhersteller in marktfernen Gebieten über Ausschreibungen aus der staatlichen Reserve zu verbessern. Rund 570.000 t der geplanten Freigaben von insgesamt 1 Mio. t Weizen sind bisher verkauft, zeigen die Zahlen der Moskauer Börse Micex. Das meiste ist Brotweizen, überwiegend aus der Ernte 2008 und etwas aus der Ernte 2009. Hinzu kommen kleinere Mengen Futterweizen aus der Ernte 2008.

Der durchschnittlich gebotene Preis in den bisherigen fünf Wochen der Ausschreibung beträgt umgerechnet 200 €/t ab Lager und damit 10 €/t mehr als der von der Moskauer Regierung festgelegte Mindestpreis. Für Futterweizen zahlen die Käufer ebenfalls 200 €/t. Hier beträgt die Differenz zum Mindestpreis sogar 20 €/t. (db)
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