Ernte 2017

Mühlen beanstanden Hektolitergewichte

Torsten Wagner, Olaf Feuerborn, Marcus Rothbart und Lutz Trautmann (v.l.n.r.) auf dem Geländer der Agrargenossenschaft Hedersleben.
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Torsten Wagner, Olaf Feuerborn, Marcus Rothbart und Lutz Trautmann (v.l.n.r.) auf dem Geländer der Agrargenossenschaft Hedersleben.

Landwirte in Sachsen-Anhalt sind von den Erträgen und Qualitäten der diesjährigen Ernte enttäuscht. Marcus Rothbart, Hauptgeschäftsführer des Bauernverbandes Sachsen-Anhalt, berichtete heute in Hedersleben von unterdurchschnittlichen Ergebnissen bei Getreide. Den Ernterückgang in seinem Bundesland bezifferte er auf 2 bis 18 Prozent. Beim Raps lagen die Ergebnisse sogar um 22 Prozent unter dem langjährigen Mittel.

„Ein sehr wechselhaftes Jahr liegt hinter uns", sagte Rothbart. Teilweise sind Betriebe noch beim Ernten und stehen kurz vor der Zielgeraden. Die unterdurchschnittliche Ernte geht mit schwankenden Erträgen und streuenden Qualitäten auf Grund der Witterung einher. Die Betriebsleiter verzeichnen geringere Erlöse. Nach Berechnungen des Bauernverbandes sind die Erlöse um 40 Prozent gegenüber 2012 gesunken.

Im Durchschnitt erzielten die Landwirte in Sachsen-Anhalt einen Ertrag bei der Wintergerste von 7,2 t/ha, das sind 17 Prozent weniger. Bei Roggen sind es mit 5 t/ha rund 9 Prozent weniger als 2016. Der Weizen weicht mit knapp 7 t/ha deutlich vom Fünf-Jahresschnitt von 8 t/ha ab.

Lutz Trautmann, Betriebsleiter der Agrargenossenschaft Hedersleben, berichtete über den Fokus der Mühlen auf das Hektolitergewicht bei der Getreideannahme. Hier werde auf die schwächste Stelle in den Qualitätsparametern geschaut und es spiele hier keine Rolle, dass Fallzahlen und Rohprotein gute Werte aufweisen. Ein Großteil der Partien werde nur als Futterweizen bezahlt. In diesem Jahr hat der Vorstandsvorsitzende Vorverträge für Weizen abgeschlossen. Nun komme es zu Schwierigkeiten mit den Abnehmern in Punkto Hektolitergewicht, für das 77 kg vereinbart wurde. Das Gros der Partien schwankt auf dem Betrieb zwischen 72 und 73 kg, was Abschläge beim Kontraktpreis kostet.

Schmales Düngefenster

Anschaulich zeigte Olaf Feuerborn, Präsident des Bauernverbandes, die Arbeitsbelastung in den Betrieben auf. Denn nun gelten auch die Regeln der Düngeverordnung. „In der Altmark steht immer noch Getreide und jetzt müsse man noch die Wirtschaftsdünger ausbringen. Da sehen wir, wie klein das Düngefenster ist und die Lagerkapazitäten für Wirtschaftsdünger begrenzt", sagte Feuerborn. „Hier liegen Realität und Praxis mit der neuen Düngeverordnung weit auseinander." Obwohl die Betriebe in Sachsen-Anhalt technisch und ökonomisch sehr fortschrittlich sein, sagte der Bauernpräsident in Hedersleben.

Mit dem heutigen aktuellen Bericht aus Sachsen-Anhalt endet für diese Saison die tägliche, regelmäßige Berichterstattung von agrarzeitung.de zum Erntestand. Da immer noch Bestände geerntet werden, bleiben wir auch weiter für Sie vor Ort und berichten in loser Folge in agrarzeitung.de über Mengen, Qualitäten und Preise. Dazu gibt es auch den täglichen Newsletter: Märkte am Mittag. (da)
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